gender on speed

von crossover

Sexismus // die Funktionen der Geschlechter // und die Hoffnung auf einen gemeinsamen Kampf

Sexismus – ein Herrschaftsverhältnis, eine strukturelle Ungerechtigkeit, ein Ausbeutungs- und Gewaltverhältnis: Diese gesellschaftliche Struktur privilegiert Männer und unterwirft Frauen. Doch auch in Bezug zu anderen Geschlechtern und Sexualitäten (Lesben, Trans, Intersex, Bis) wirkt Sexismus im Zusammenspiel mit Homosexuellenfeindlichkeit und Transfeindlichkeit.
Heteronormativität, also die Norm, die Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität als hegemoniale Kraft hervorbringt, bildet die Grundlage dieses patriarchalen Systems. Aus ihr leiten sich die Geschlechter und ihre verschiedenen Funktionen ab. Die Rollen im herrschenden System folgen unterschiedlichen Logiken und ergeben ein komplexes Zusammenwirken. Es ist nach wie vor schwierig, diese miteinander zu denken und zu bekämpfen. Gerade das Bewusstsein von Transfeindlichkeit und die Verstümmelung und Unterdrückung von Intersexuellen ist gesellschaftlich sehr marginal. Mit Blick auf die unterschiedlichen Logiken ist es sinnvoll, beim Sprechen über Sexismus den Kontext mit zu nennen. Dadurch wird sichtbar gemacht, dass noch andere Herrschaftsstrukturen im Zusammenspiel mit Sexismus wirken, um die patriarchale Geschlechterordnung herzustellen. Eine differenzierte Betrachtung ist angesagt und eine konkrete Benennung des Kontextes.
Für eine differenziertere Benennung, macht sich in einigen Diskursen die Abkürzung FLTIBs breit. Sie steht für FrauenLesbenTransIntersexBis. Ob diese Benennung nun die Beste ist, weiß ich nicht, doch es wäre einen Versuch wert, um aus dem alleinigen Sprechen von und über Frauen heraus zu kommen.

Doch was hat es auf sich mit diesen verschiedenen Strukturen? Ganz wesentlich ist wie gesagt die Heteronormativität. Die Gesellschaft erzieht erst mal keinen Menschen zur Lesbe oder zu einem transsexuellen Menschen, die Gesellschaft möchte Frauen und Männer und zwar heterosexuelle Frauen und heterosexuelle Männer. So ist die Erziehung und auch der ganze Mainstream davon geprägt. Vieles davon ist sehr plakativ, doch das meiste ist sehr subtil und frisst sich tief in unser Denken und Fühlen, in unsere Körper hinein. Wenn das Kind fragt: Woher die Babys kommen? Würde ihm kaum jemand die Geschichte von dem Samen in der Samenbank erzählen, welches im Reagenzglas mit der Eizelle zusammengebracht wurde oder von der lesbischen Mutter, die sich den Samen in die Scheide spritzt. Denn natürlich braucht es für Babys Mann und Frau, Penis und Vagina und in Folge dann auch Vater und Mutter. Die vorherrschende zweigeschlechtliche Heteronormativität hat viele Selbstverständlichkeiten, z.B. die Damen- und Herrenabteilungen in den Kaufhäusern. Da muss eine_r erst mal draufkommen sich über diese Zuteilung hinweg zu setzen und in beiden Abteilungen nach dem neuen Pulli zu suchen und selbst dann, sind der freien Auswahl noch Grenzen gesetzt, wenn es die coolen “Männer”schuhe nicht in “Frauengröße” 38 gibt und das bauchfreie “Damen”shirt bei Größe 40 aufhört.

So sind die herrschenden Strukturen darauf aus, Frauen und Männer zu schaffen und der Sexismus besteht darin, dass die Frauen ganz bestimmte untergeordnete Aufgaben erfüllen sollen: 1) Die unbezahlte Reproduktion zu besorgen, welche den Mann pflegt, versorgt und aufpäppelt, die Kinder großzieht, die Familie zusammen hält und damit eine Basis der Gesellschaft gewährleistet und deren Fortbestand. Diese Arbeit ist nicht nur unbezahlt, sondern auch noch unterbewertet. Im Verhältnis zu Lohnarbeit mangelt es an gesellschaftlicher Anerkennung für reproduktive Arbeit. (Die Frau soll all das nämlich aus Liebe tun.) 2) Dem Mann sexuell zur Verfügung zu stehen. Denn über die heterosexuelle Sexualität konstituiert sich der Mann immer wieder aufs Neue zum Mann. Er findet Bestätigung in seinem Mannsein, welches gleichgesetzt wird mit Manneskraft, Potenz und Aktivität. Daran ändert auch die selbstbewusstere Sexualität von Frauen noch nicht viel, die als neuer hipper Diskurs in vielen Büchern und Talkrunden besprochen wird. 3) Weiter bilden die Frauen die Reservearmee der kapitalistischen Produktion. Immer wenn Institutionen oder Produktionen über die Männer hinaus Arbeitskraft benötigen, können sie auf die Frauen zurückgreifen, wie z.B. in den 70er Jahren, als es in der BRD einen erhöhten Arbeitskräftebedarf gab und dieser im unteren und mittleren Lohnniveau vor allem durch Migrant_innen, u.a. aus der Türkei und im Akademischen Bereich durch die verstärkte Zulassung von Frauen an den Universitäten gesättigt wurde. 4) Die Frau als Ventil für Gewalt. Frauen werden gedemütigt, geschlagen und vergewaltigt. Es wirkt systemstabilisierend, wenn Unzufriedenheit, Frust und Gewalt sich nicht gegen die Herrschenden entlädt, sondern gegen untergeordnete Gruppen. Selbst wenn Mann ganz unten ist, kann er immer noch Frauen unterdrücken. (Dies bezieht sich auch auf Migrant_innen, Juden, Obdachlose, sozial schlechter Gestellte usw.)

Diese vier Funktionen mögen erst mal recht rigoros klingen, sind wir doch heutzutage viel aufgeklärter und emanzipierter unterwegs. Doch die Freiheiten und Veränderungen mussten sich hart erkämpft werden und sie betreffen oft nur die Mittelschicht. Strukturen, Räume und Beziehungen mit weniger Sexismus wurden durch jahrelangen Widerstand geschaffen und der Backlash ist allgegenwärtig. Natürlich studieren immer mehr Frauen und es gibt die Möglichkeit, Karriere zu machen. Doch zum Beispiel im Bereich Mathematik gibt es 36% weibliche Mathematikstudent_innen und nur 16% weibliche Absolvent_innen und nur 2% weibliche Doktorant_innen, die Anzahl der Frauen nimmt demnach auf der Karriereleiter rapide ab und Frauen verdienen immer noch 20% weniger für die gleiche Arbeit als Männer. Auch im Bereich der Reproduktion wurde sich viel erkämpft, zum Beispiel die Kinderläden und die Rollenverschiebung, so dass mittlerweile immer mehr Männer Elternzeit nehmen und für die Kinder da sind. Doch auch hier gibt es Klassenunterschiede und von gleichberechtigter Kinderbetreuung ist diese Gesellschaft noch weit entfernt. Noch schlechter steht es mit der Gewalt. Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat in den letzten Jahrzehnten nicht abgenommen. Im Durchschnitt wird immer noch jedes 3. Mädchen sexuell missbraucht, jede 7. Frau vergewaltigt und jede 7. Frau erfährt häusliche Gewalt.

Die Ausprägung dieser Funktionen, welche die Frau erfüllt, ist kulturell, geographisch und historisch unterschiedlich und kann sich je nach gesellschaftlichen, kapitalistischen und patriarchalen Notwendigkeiten verschieben. Gerade sind Frauen in einigen Berufssegmenten viel gefragter, doch das entscheidende ist ursächlich nicht, wie gut es den Frauen gerade geht oder wie unterdrückt sie gerade sind, sondern, dass an den gesellschaftlichen Kategorien Mann und Frau weiter festgehalten wird und sie weiter Grundlage von Beherrschung sind und das diese Beherrschungsmechanismen in jeder Zeit angewandt und hergestellt werden können, solange sie nicht auf entschiedenen Widerstand und Dekonstruktion stoßen. D.h. die gegenwärtige Situation, dass es auch viele Frauen gibt, die einen guten Job haben und die hohe gesellschaftliche Positionen ausfüllen, kann sich auch ganz schnell wieder ändern, wenn zum Beispiel gesellschaftliche oder kapitalistische Notwendigkeiten einen anderen Bedarf erzeugen und dieser mit patriarchaler Macht durchgesetzt wird. Hier hilft nur Widerstand. Der antisexistische, antipatriarchale, feministische Kampf stellt sich seit vielen Jahren gegen die hegemonialen patriarchalen Strukturen. Emanzipationsbewegungen, die Frauenbewegung, die Lesbenbewegung, die Trans- und Intersexuellen mussten die emanzipativen, gesellschaftlichen Veränderungen, von denen wir heute profitieren, hart erkämpfen. Dies beinhaltet auch die heute in Teilen verbesserte rechtliche Situation und die verbesserte gesellschaftliche und wirtschaftliche Stellung von FLTIBs.

Während Frauen zur Erfüllung ganz bestimmter Aufgaben zugerichtet werden, bringen Lesben, Transsexuelle, Intersexuelle und Bis diese herrschenden Strukturen “nur” durcheinander. Sie bedrohen das vorherrschende System und die zugewiesenen Aufgaben und stellen die heterosexuelle Zweigeschlechtlichkeit in Frage. Auf der anderen Seite stabilisieren sie diese auch wiederum, indem sie als Anderes, als Gegenbild des Vorherrschenden herhalten. Denn das vermeintlich Normale kann sich nur in der Abgrenzung zu dem Anderen konstituieren. Während LTIBis in einigen Gesellschaften ein bestimmter Platz zugewiesen wird, werden sie in anderen Gesellschaften gänzlich geleugnet. LTIBis darf es in einigen Gesellschaften gar nicht geben und ein Outing wird verfolgt, zum Teil mit Gefängnisstrafe oder sogar mit der Todesstrafe, wie der Steinigung. Die gesellschaftliche Ächtung und Herabwürdigung soll den Betroffenen immer wieder zeigen, dass ihr Sein, ihre Sexualität und ihr Lebensstil nicht erwünscht sind und es soll andere davon abhalten, sich entgegen der Heteronormativität zu verhalten. Somit sind die trans-, intersex- und homosexuellenfeindliche Strukturen auch noch mal andere als beim Sexismus. Sie sind geprägt von: 1) Der Konstruktion von Körpern. Bei Intersexuellen gipfelt diese in erzwungenen geschlechtlichen Anpassungsoperationen (10% der Neugeborenen haben Geschlechtsmerkmale, die nicht in das zweigeschlechtliche Raster passen). Die Geschlechtsteile von Säuglingen werden, teilweise ohne die Eltern darüber zu informieren, umoperiert. Diese Verfahren der Rekonstruktions- und plastischen Chirurgie beinhalten auch Gentests und hormonelle Therapien. 2) Der Konstruktion von sexuellen Beziehungen. Homosexuelle und bisexuelle Beziehungen werden als Ausnahme, abweichend von der Norm definiert. Auch wenn sie in einigen Bereichen anerkannt sind, so werden sie noch lange nicht als selbstverständlich und gleichberechtigt gesetzt. (Kleine Mädchen sollen, wenn sie groß sind, immer noch Jungs heiraten und nur in Ausnahmen werden einige lesbisch. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder Mensch frei seine_ihre Sexualität entwickeln kann und diese lebt mit wem er_sie will.) 3) Der Konstruktion des Anderen, des vermeintlich Unnatürlichen. Denn nur in der Benennung des angeblich Unnatürlichen, kann sich ein angeblich Natürliches mit allen Biologismen hervorheben. Ein Mann-Frau-Verhältnis oder Mann-Frau-Sexualität könnte gar nicht als normal und natürlich konstruiert werden, wenn es nicht Beziehungen und Verhältnisse gebe, von denen mensch sie abgrenzen könnte. Ebenso die Konstruktion von männlichen und weiblichen Körpern und Identitäten, um sie zu garantieren wird zum Beispiel die freie Wahl des Geschlechts und des Vornamens beschränkt, sowie Geschlechtsumwandlungen und die rechtliche Gleichstellung, unter anderem im Familienrecht bei der Ehe und der Adoption von Kindern.

Während also Frauen konstruiert werden, um bestimmte untergeordnete Aufgaben zu erfüllen, sollen LesbenTransIntersexBis und Queers begrenzt und kontrolliert werden, um die Heronormativität nicht zu gefährden. Auch hier gilt, dass die gesellschaftlichen Bedingungen in Folge der jahrelangen Kämpfe emanizipativer Bewegungen im Westen gegenwärtig verstärkt liberaler werden. Dies wird auch begünstigt durch veränderte Kapitalinteressen, welche LTIBis als “Humanressources” und “das Andere” als Kreativfaktor entdeckt haben. Vielfalt und Verschiedenheit haben mittlerweile einen kapitalrelevanten Effekt. Doch auch diese Entwicklungen orientieren sich an Kapitalinteressen und können jeder Zeit wieder in andere Bahnen gelenkt werden, wenn dem nicht mit entschiedenem Widerstand begegnet wird.

Männer profitieren von sexistischen Strukturen. Sie erhalten 1) Anerkennung, Aufwertung und Macht. 2) Materielle Vorteile. 3) Sexuelle Vorteile. 4) Ein Zugestehen von Gewalt- und Machtausübung (das Gewaltmonopol liegt demnach nicht allein beim Staat, sondern inoffiziell gesellschaftlich geduldet auch immer wieder bei Männern). All diese Privilegien verschaffen Männern eine bessere persönliche und gesellschaftliche Position.
Doch innerhalb des Systems von Heteronormativität sind sie nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer, denn sie leiden auch unter den Rollenanforderungen und Männlichkeit versperrt ihnen auch viele Türen, bzw. Verwirklichungen jenseits von Geschlechtergrenzen.

Die Funktionen der Geschlechter sind demnach hierarchisch zugewiesen. Die hierarchischen patriarchalen und heteronormativen Strukturen wirken zusammen mit verschiedenen anderen Unterdrückungsstrukturen. Diese verflochtenen Machtstrukturen stellen im hegemonialen Diskurs Subjekte und die Verhältnisse zwischen den Subjekten her, welche die Machtstrukturen wiederum aufrechterhalten. An der Aufrechterhaltung dieses Systems wirken alle Geschlechter auf unterschiedliche Weise mit. Ebenso wirken Privilegien und Machtgewinn auf unterschiedliche Weise. Weiße Frauen stehen in vielen Aspekten strukturell über schwarzen Männern und profitieren von dieser Position. Ebenso wälzen Frauen des industriellen Nordens reproduktive Aufgaben auf migrantische Frauen ab (Kinderbetreuung, Pflege und Hausarbeit). Doch neben der Aufrechterhaltung der Strukturen werden diese auch immer wieder angegriffen und ins Wanken gebracht. Qua ihrer Rollen, waren und sind es FLTIBis, die die Frauenbewegung, FrauenLesbenbewegung, Transbewegung, Queerbewegung usw. erschufen und sich gegen Homosexuellenfeindlichkeit, Transfeindlichkeit und die patriarchalen Verhältnisse wehrten. Männer unterstützten diese Bewegungen nur in äußerst geringem Maße. Im Gegensatz dazu versuchten Männer eher den Kampf von FLTIBis lächerlich zu machen und zu vereinnahmen, bis auf einige Ausnahmen. Männer, die sich gegen patriarchale Strukturen stellen, begegnen der Schwierigkeit, dass sie nicht Teil des kämpfenden Subjekts FLTIBis sind und durch dieses nur bedingt eine Stärkung erfahren. Denn auf der anderen Seite sind sie Teil der Struktur Männlichkeit und können diese nicht einfach verlassen.
Den FLTIBis-Bewegungen und der marginalen antipatriarchalen Männerbewegung verdanken wir heute viele Verbesserungen und Veränderungen. Ob die Kraft des Widerstandes jedoch ausgereicht hätte, diese entgegen den Kapitalinteressen durchzusetzen, bleibt fraglich. So diente beispielsweise das Zulassen von Abtreibungen auch den veränderten kapitalistischen Anforderungen und den Anforderungen einer modernisierten, bürgerlichen Gesellschaft an Nachkommenschaft und Erziehung (von gut ausgebildeten und erzogenen Wunschkindern).

Transsexuelle und Intersexuelle Politiken gingen damals und auch heute noch neben und innerhalb der Frauen- und Lesbenbewegung unter. Mit dem Aufkommen des Dekonstruktionsansatzes haben sich Politiken entwickelt, die beabsichtigen, die Zweigeschlechtlichkeit und die heterosexuelle Norm zu dekonstruieren und damit auszuhebeln. Hier versucht sich Genderqueerness als Widerstandspraxis. Der Versuch der Herstellung von Körpern, die nicht instrumentalisiert werden können, ist damit eine widerständige Tat. Sie durchbricht die Instrumentalität der gesellschaftlichen Kategorien von Geschlecht und damit das Nutzbar-Machen von Männern und Frauen und versucht hier als Nutzloses Geschlecht und Nutzlos-Machen von Geschlecht zu wirken. Hier gilt es zu beachten, dass auch queere Körper vereinnahmt werden und damit die Heterosexuelle Matrix bekräftigen können.

Männern kommt im heteronormativen System eine Doppelrolle zu; zum einen profitieren sie erheblich von den Privilegien und Vorteilen, die ihnen ihre Geschlechterposition verschafft und diese Position stellen sie auch immer wieder aktiv her – zum Teil sehr brutal. Zum anderen werden auch sie zugerichtet und damit sind auch ihre Körper, Sexualitäten und Lebensweisen Zurichtungen und Zwängen unterworfen. Ihnen wird ebenso eine freie Entfaltung und Lebensentwicklung verwehrt. Dies wird begleitet von Phänomenen wie dem Nichtwahrnehmen der eigenen Gefühle, erhöhten Krankheiten und geringeren Lebenserwartung auf Grund des Überschreitens eigener Grenzen, bzw. von Verausgabung. Diese Zurichtung erlaubte es im Kapitalismus, die männliche Arbeitskraft verstärkt auszupressen. Weiter werden Männer ebenso durch Androhung von Gewalt, Abwertungen und Lächerlichmachens davon abgehalten, andere Wege, als die zugelassenen männlichen, heterosexuellen Wege zu gehen. Doch diese Zurichtungen im Feld Heteronormativität sind nicht zu verwechseln mit Sexismus. Sexismus bezeichnet die Ausbeutung und Nutzbar-Machung von Frauen. Männer sind in dieser Struktur die Privilegierten, die Profiteure und Täter.
Dass es in dem Herrschaftsverhältnis strukturell Privilegierte und Nichtprivilegierte und Täter und Betroffene gibt, heißt nicht, dass es nicht auch einzelne umgekehrte Verhältnisse gibt. Die Kennzeichnung eines Herrschaftsverhältnis beschreibt hier eine grundsätzliche Struktur und beinhaltet nicht die Aussage, dass alle Verhältnisse innerhalb dieser Struktur ihr in jedem Fall entsprechen. Das heißt zum Beispiel, es gibt Täter_innen und es gibt männliche Betroffene.

Im Widerstand gegen die herrschenden Strukturen stellt sich immer wieder die Frage, inwieweit dieser Kampf gemeinsam geführt werden kann oder inwieweit auch in Zukunft unterschiedliche Betoffenheiten unterschiedlicher Kämpfe bedarf. Die Genoss_innen, die einem in dem einen Kampf zur Seite stehen, können im anderen Kampf politische Gegner sein. Darüber lässt sich nur schwer hinwegtäuschen. Ein “all gender”-Kampf gegen Sexismus (also dem gemeinsamen Kampf aller Geschlechter) muss diese vielschichtigen Konfliktfelder immer wieder in den Blick nehmen, sich damit auseinandersetzen und diese verändern.

An einer Dekonstruktion der Geschlechter ist den einzelnen Geschlechtern demnach positionsbedingt unterschiedlich viel gelegen. Doch es könnten alle Geschlechter erkennen, dass die Konstruktion auf vielen Ebenen Verengung, Beschneidung, Zwang und Unfreiheit bedeutet.
Deswegen sollten wir Wege finden, gemeinsam die herrschenden Strukturen zu kippen!