Die Komplette Auflage der dritten As.ism-Broschüre ist mittlerweile vergriffen und deswegen leider nicht mehr über uns bestellbar. Wir freuen uns natürlich über die große Nachfrage. Ob es einen Nachdruck geben wird, ist noch unklar, das eine oder andere Exemplar ist aber sicher noch bei einem Infoladen in eurer Nähe zu haben.
Archiv der Kategorie 'Allgemein'
Veranstaltungsreihe ab 6. März von AKLF, EAG, ABSO, ANA, NEA
Wir möchten den 8. März zum Anlass nehmen, um die Fragen nach einem linken Feminismus wieder zum Thema zu machen. Diese stellen sich heute wie damals als schwierig dar, auch wenn auf den ersten Blick ›Feminismus‹ und ›Gleichberechtigung‹ in aller Munde zu sein scheinen. Denn von konservativen Feuilletonist_innen bis zu linksliberalen Kulturschaffenden: Zu Feminismus hatte in letzter Zeit jede_r etwas beizutragen. Dabei variierten die Vorstellungen zwischen einem konservativen Feminismus à la von der Leyen zu einem liberalen Karrierefeminismus, der in Thea Dorns F-Klasse seinen Ausdruck fand, bis hin zu traditionellen Vorstellungen von Familie und Geschlechterrollen bei Eva Herrmann.
Auch die Alphamädchen trugen mit ihrer individualistischen‚ Feminismus-Version’ etwas zu der Entpolitisierung des Begriffs bei. Ein Feminismus, der nichts kennt als den Kampf um formale Gleichheit in den bestehenden beschissenen Verhältnissenm, ist nicht unser Feminismus. Auch einen Feminismus, der sich nicht mit der Verschränkung verschiedener Herrschaftsstrukturen, wie Rassismus, Kapitalismus und Geschlechterverhältnissen auseinandersetzt und sich nur um die Belange einer weißen Mittelschicht bemüht, weisen wir zurück. Unsere Reihe ist als Suchbewegung zu verstehen, die schlaglichtartig einige uns wichtig erscheinende Topics aufgreift und zur Diskussion stellt. Gemeinsamer Ausgangspunkt ist, dass ein linker Feminismus die Systemfrage stellen und als radikale Gesellschaftskritik alle Verhältnisse in den Blick nehmen muss. Dazu gehört, das System der Zweigeschlechtlichkeit und damit zusammenhängend Formen identitärer Politik ebenso zu kritisieren wie Kapitalismus, Nation und Rassismus. Am 6. März heiß es dann auf unserer Auftaktparty: Take back the night!
Termine
Sa., 6. März, 22 Uhr
K9, Kinzigstraße 9 (nahe U-Bhf. Samariterstraße)
Party: TAKE BACK THE NIGHT
Feministische Soliparty zur Ünterstüztung der Finanzierung von Repressionskosten in Münster (Repressionen gegen Fundi-Gegner_innen) und dem F.A.Q. (Infoladen/Cafe) in Neukölln
Acts:
- sookee (Live hiphop)
- Kai Kani (Hiphop,Electro)
- CMYK(Yoko & Cay grrlsgoneelectronic)
- DADO (Electro)
Mi., 17. März, 19 Uhr
Mehringhof Veranstaltungsraum, Gneisenaustr. 2a (nahe U-Bhf. Mehringdamm)
Veranstaltung: Fragen an einen linken Feminismus
Die Debatte um Geschlechterrollen innerhalb der bürgerlichen Öffentlichkeit wird aktuell von zwei Positionen geprägt: Der liberale Regierungsfeminismus will die Kinderbetreuung ausbauen und mehr Frauen in Erwerbsarbeit bringen. Dagegen ›rebellieren‹ Eva Herman und andere Neokonservative, die mehr Zeit für Familien fordern. Wie kann ein linker Feminismus hierzu kritisch Position beziehen und aus seiner derzeit marginalen Rolle herausfinden?
Referent_innen: Jörg Nowak, Caren Kunze
Veranstaltet vom Ak linker Feminismus
Do., 18. März, 19 Uhr
K9, Kinzigstraße 9, (nahe U-Bhf. Samariterstr.)
Veranstaltung: Sexismus & Antisemitismus
Im Vortrag geht es um die historischen Entwicklungen und Verschränkungen von Geschlechterbildern und antisemitischen Vorstellungen – und die Frage, inwiefern diese Bilder heute noch aktuell sind.
Referent_in: Tanja Kinzel.
Gemeinsame Veranstaltung mit der Reihe »Antisemitismus und Krise« von Emanzipative Antifaschistische Gruppe (EAG) & disparat. Weitere Infos: antisemitismus.blogsport.de
So., 21. März, 19 Uhr
Sonntagsclub, Greifenhagener Straße 28 (nahe U-/S-Bhf. Schönhauser Allee)
Veranstaltung: PorYes – queerfeministische Pornos
Parallel zur PorNo-Bewegung gab es schon immer einen Flügel der Frauenbewegung, der sich um einen Sex-positiven Zugang zu Sexualität bemühte und und leider nicht so viel mediale Aufmerksamkeit genossen hat, wie sein bekanntes Gegenstück. Was feministische Pornos sind und wie queer sie sein können, zeigt und diskutiert Laura Meritt auch anhand von Beispielen. (weitere Referentin angefragt.) Anschließend Film „Pornoprotokolle“ und Gespräch mit der Regisseurin Isabella Willinger.
Referentin: Laura Merrit
Veranstaltet vom Ak linker Feminismus und Emanzipative Antifaschistische Gruppe (EAG)
Mi., 24. März, 19 Uhr
K9, Café Größenwahn, Kinzigstrasse 9 (nahe U-Bhf. Samariterstr.)
Veranstaltung: Feministische Globalisierungskritik
Die Debatte um Geschlecht und Globalisierung war lange Zeit differenzfeministisch geprägt: Die Auswirkungen der Globalisierung auf ›Frauen‹ standen im Vordergrund. An dieser ›Opferperspektive‹ wird zunehmend Kritik geäußert. Vor allem postkoloniale Autor_innen weisen auf die Verwobenheit von ›gender‹, ›race‹ und Globalisierungsprozessen hin. In der Veranstaltung soll es darum gehen, den aktuellen Stand der Debatte zu rekonstruieren und die politischen Praktiken von (vor allem) feministischen Bewegungen im Süden in den Blick zu nehmen. Die Kernfrage aber ist: Was ergibt sich aus all dem für einen internationalistischen Feminismus?
Referent_in: Friederike Habermann.
Veranstaltet vom Ak linker Feminismus
Fr., 2. April, 19 Uhr
Haus der Demokratie, Havemann-Saal, Greifswalder Straße 4 (nahe Tram-Haltestelle Am Friedrichshain)
Veranstaltung: Strategien zur EU–weiten Legalisierung von Abtreibung
Innerhalb der EU gibt es immer noch Länder, in denen Schwangerschaftsabbrüche illegal sind. In Polen finden jedes Jahr etwa 200 000 illegale Abtreibungen statt, während jeden Tag durchschnittlich 16 Frauen aus Irland nach England reisen müssen, um einen sicheren Abbruch zu bekommen. Wir möchten mit Pro-Choice- Aktivist_innen aus Polen und Irland diskutieren, um Strategien und Möglichkeiten zu erarbeiten, wie in beiden Ländern gemeinsam vorgegangen werden kann, um Schwangerschaftsabbrüche im Rahmen der EU zu legalisieren und frei zugänglich zu machen.
Referent_innen: Wanda Nowicka (Polen), Stephanie Lord (Choice Irland), Anna von Gall (ECCHR) Übersetzung engl./dt.
Veranstaltet vom Ak linker Feminismus
So., 4. April, 19 Uhr
Tante Horst, Oranienstraße 45 (nahe U-Bhf. Kottbusser Tor)
Veranstaltung: Homosexualität & Homophobie in der Neonaziszene
In der Veranstaltung sollen vergangene und aktuelle Debatten in der Neonaziszene nachvollzogen, die Bedeutung des homophoben Diskurses beleuchtet und mögliche Ursachen und Ursprünge problematisiert werden.
Referent_in: Verein für Demokratische Kultur in Berlin e.V. (VDK)
Veranstaltet vom Antifabündnis Südost (ABSO) und Autonome Neuköllner Antifa (ANA)
Do., 8. April, 19 Uhr
FAQ Infoladen Neukölln, Jonasstraße 40 (nahe U-Bhf. Leinestraße)
Veranstaltung: Homophobie im HipHop
Große Teile von HipHop befinden sich im Übergang von einem sub- hin zu einem popkulturellen Sammelbecken für sexistische und heteronormative Haltungen. Der Input bietet einen diskursanalytischen Zugang zu exemplarischen Image-Inszenierungen und Raplyrics als deren Artikulation an. Desweiteren wird ein Blick auf den ambivalenten Umgang der medialen Öffentlichkeit mit populären Rapper_innen vor dem thematischen Hintergrund gerichtet.
Referent_in: Sookee
Veranstaltet von Autonome Neuköllner Antifa (ANA)
So., 25. April, 15 Uhr
Friedel, Friedelstr. 5 (nahe U-Bhf. Hermannplatz)
Workshop: Männlichkeitsbilder in der Antifa
Was ist überhaupt Männlichkeit? Was macht Antifa-Politik aus und wieso ist sie an so vielen Punkten besonders bei jungen Männern beliebt? Warum gibt es auch in der Antifa Unterdrückungsverhältnisse? Die Gesprächs- und Entscheidungsstrukturen und die Ausrichtung der Antifa-Politik gehören auf den antisexistischen Prüfstand. Wir reden über Symbole und Idole, um Tücken der alltäglichen Antifaarbeit, samt Heldentum und Revierverhalten. Unterdrückungsmechanismen schaffen sich aber nicht von selbst ab, nur weil sie vielfach in Diskussionen erkannt und benannt werden. Es geht also um die Entwicklung neuer Perspektiven und um konkrete Umsetzungsmöglichkeiten.
Mit Anmeldung unter: autonome_neukoellner_antifa@riseup.net
Veranstaltet von Autonome Neuköllner Antifa (ANA)
Mo., 3. Mai, 19 Uhr
Festsaal Kreuzberg, Skalitzerstraße 130 (nahe U-Bhf. Kottbusser Tor)
Veranstaltung: Zur Kritik des linken Antifeminismus
Geschlechterherrschaft als Nebenwiderspruch, Feminismus spaltet die Arbeiterklasse, queeres Begehren verstärkt die Marktlogik des Kapitalismus: Antifeminismus und queerkritische Positionen haben in der radikalen Linken eine so lange Tradition, dass sie als politische Position ernst genommen werden müssen und nicht nur als Ignoranz oder Uninformiertheit ausgelegt werden können, auch wenn sie davon stark geprägt sind. Mit dem Rückgriff auf die vielfältige und reiche Theorie- und Denktradition von linkem Feminismus und queerer Ökonomiekritik dekonstruieren Cornelia Möser und Jana Tschurenev (queer-feministischer Saloon Berlin) verschiedene Klassiker und Neuauflagen des linken Antifeminismus.
Veranstaltet von Emanzipative Antifaschistische Gruppe (EAG)
Mo., 10. Mai, 19 Uhr
Raumerweiterungshalle, Markgrafendamm 24c (nahe S-Bhf. Ostkreuz)
Veranstaltung: ›Männer‹politik und ›Männer‹bewegung
Der schwarz-gelbe Koalitionsvertrag plant »eine eigenständige Jungen- und Männerpolitik«, in Zeitungen sind antifeministische Positionen und Polemiken zu lesen, und hier und da gibt es auch noch Männerforschung.Wie passt das alles zusammen? Bei der Veranstaltung wird ein Überblick über verschiedene Fraktionen in der Männerpolitik gegeben und diskutiert, welche Ziele sie jeweils verfolgen.
Referent_in: Sebastian Scheele
Veranstaltet vom Ak linker Feminismus
Mi., 19. Mai, 19 Uhr
Raumerweiterungshalle, Markgrafendamm 24c (nahe S-Bhf Ostkreuz)
Veranstaltung: Strategien feministischer politischer Praxis
Wie lassen sich ‚Feminismus‘ und ‚Feminist_in sein‘ heute praktisch denken? Und welche Handlungsfähigkeiten sind daraus für Aktivist_innen ableitbar? Der AKLF und Anne Lenz (Autor_in Feminismen und Neue Politische Generation) laden ein, feministische Strategien und Ziele politischer Praxis und Organisierung gemeinsam zu diskutieren.
Referent_Innen: Anne Lenz (AKLF)
Veranstaltet vom Ak linker Feminismus
Am 26. November soll die Reggae-„Größe“ Sizzla in der Kulturbrauerei im Rahmen seiner Europa-Tournee auftreten. Sizzla ist bekannt für seine homosexuellenfeindlichen Texte. „Verbrennt die Männer, welche andere Männer von hinten reiten. Erschießt Perverse, meine große Pistole macht ‚bumm’“ heißt es u.a. in Sizzlas Song „Pump up“. Insgesamt 13 solcher „Battyman-Tunes“ hat er in seinem Repertoire. Amnesty International zitierte eine Aussage des Sängers bei einem Auftritt 2004 in Jamaika wie folgt: „Tötet sie, die Schwuchteln müssen durch Schüsse in den Kopf sterben.“
In der Vergangenheit führte dies unter anderem zur Indizierung von Sizzlas Album „Rastafari“ und der Absage seiner Europa-Tour 2005, da in Frankreich 13 von 14 Konzerten gecancelt wurden. Auch der Auftritt auf der „Summerjam“ im selben Jahr fiel aus, da er nicht auf schwulenfeindliche Äußerungen verzichten wollte. Sizzla hat daraufhin 2007 den „Reggae Compassionate Act“ (RCA) unterzeichnet und sich damit verpflichtet, zukünftig keine homophoben Inhalte mehr bei seinen Shows zu propagieren. Sizzlas Unterzeichung des „RCA“ belegt keine Wandlung seiner Einstellung gegenüber nicht-heterosexuellen Menschen. Es geht ihm um Geld! 2008 äußerte er sich in der „riddim“ nach einem Auftritt im Wuppertaler „U-Club“ wie folgt: „Bei einer Show wie heute Abend weiß ich, I have to just keep it clean. Bei einer Gangsta-Show in Jamaika erwartet man von dir, dass du härter rüberkommst.“. Weiterhin sagte er: „Selbst wenn wir singen, „kill Battyman“ dann ziehen wir nicht los und bringen Menschen um. Das ist kein Aufruf zur Gewalt. […] Doch die Bibel sagt, Homosexualität ist falsch, es ist ein Fluch.“. Die bloße Unterzeichnung eines Stückes Papiers ändert also noch lange keinen Menschen! Die Veranstalter_innen des Kesselhauses beziehen sich jedoch konsequent auf den von Sizzla unterschriebenen „RCA“ und haben angekündigt das Konzert unter allen Bedingungen durchzuführen. Für uns ist diese Entscheidung total inakzeptabel. Darum rufen wir für den 26. November zur Demo gegen das Sizzla-Konzert auf. Wir sehen darin die letzte Möglichkeit unserem Unverständnis und unserem Ärger gegenüber Leuten Luft zu machen, die anscheinend gern für Mord-Sänger eine Bühne bieten. Sizzla steht an diesem Abend lediglich beispielhaft für eine Vielzahl an Musiker_innen, die Homophobie propagieren. Wir verstehen die Demonstration darum nicht als ein bloßes Statement gegen Sizzla. Sie soll ein klares Zeichen gegen Sexismus, sowie Homo- und Transphobie in jeder Form sein. Die Texte Sizzlas sind widerwärtig und auch auf Jamaika haben es homo/transsexuelle Menschen schwer. Die Kritik daran darf allerdings nicht dazu herhalten die Verhältnisse hier schönzufärben. Homo- und Transphobie sind auch in Deutschland Alltag und keine Besonderheit vermeintlich „fremder Kulturen“. Am 26. November werden wir darum gegen jedwede Form von Diskriminierung auf die Straße gehen. Sagt euren Freund_innen bescheidet und kommt zur Demonstration.
Demonstration:
26. November 2009, 18.30 Uhr, S-Bhf. Schönhauser Allee
Zentrales Aktionswochenende
am 27.-29.11.09 in Frankfurt am Main
Der Internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen wurde erstmals 1981 von Feministinnen aus Lateinamerika und der Karibik ausgerufen. Sie erinnerten an die Schwestern Patria Mercedes, Minerva und María Teresa Mirabal, die 1960 in der Dominikanischen Republik aufgrund ihres Widerstandes gegen die Diktatur verschleppt, vergewaltigt und ermordet worden sind und zu Symbolfiguren des Widerstands wurden. Die vierte Schwester Dedé hatte überlebt und konnte über den Kampf und das Leben der Schwestern berichten.
Das Aktionswochenende in Frankfurt wird vom „Üri“ ausgerichtet, einem überregionalen Bündnis von autonomen feministischen FrauenLesben und FrauenLesbenTrans Gruppen, die sich seit 2003 regelmäßig treffen. Bereits 2005 hatte das Üri ein Aktionswochenende zum 25. November von verschiedenen feministischen Gruppen in Hamburg koordiniert. Schwerpunkte waren Proteste gegen rassistische und sexistische Diskriminierung und Ausbeutung von Frauen wie z.B. in den Zulieferfirmen von Tchibo und H&M und bei der ungleichen Gesundheitsversorgung von Flüchtlingsfrauen. Bei allen Aktionen ist es dem Üri ein Anliegen, sowohl theoretische als auch praktische Nadelstiche gegen das Patriarchat zu setzen.
Auch an dem Wochenende in Frankfurt sind Veranstaltungen und Aktionen geplant, mit denen wir die vielschichtigen Formen von Gewalt gegen uns als Frauen und unseren Widerstand dagegen thematisieren.
Programm
Fr, 27.11.
ab 18h: Ankommen in den Räumen im BdP (Bund deutscher Pfadfinder) im Baumweg 10 im Hinterhaus
ab 19h: Essen im BdP
21h Film: Women defying Barriers (Dieser bewegende Kurzfilm ist im Rahmen vom Projekt Breaking Barriers entstanden und berichtet über gemeinsame Treffen und Aktivitäten von israelischen und palästinensischen Frauen) und Austausch darüber
Infos zum WE
Sa, 28.11.
10h Frühstück im Baumweg und gemeinsames Treffen und Infos zum Ablauf
12 – ca. 16h Verschiedene Aktionen zu den Themen:
Frauen, Flucht und Migration, Rassismus und Abschiebungspolitik, Sexismus und Pornographisierung:
Eigene Aktionen und Ideen sind willkommen!
18 – 20h Unterstützung des Protestes iranischer Frauen gegen die gegenwärtige Politik im Iran. Seit Juni führen Frauen eine Mahnwache an der Hauptwache in Frankfurt durch. Sie findet in Solidarität zeitgleich zu den Aktionen von Frauen im Iran, insbesondere in Teheran statt. Wir nehmen an der Mahnwache teil, bei der an die Ermordeten erinnert und über die aktuelle Situation im Iran informiert wird.
20.30h Essen im Exzess, Leipziger Str. 91
Danach Disco im Exzess
So, 29.11.
10h Frühstück im BdP
11h Plenum bzw. Auswertungstreffen im BdP
12h Teilnahme an einer organisierten Stadterkundung zu Lebensspuren verfolgter Frauen während der NS-Zeit. Beginn: Baumweg 10. Dauert ca. 2 Std. Der Rundgang ist rolligerecht.
Danach aufräumen und putzen.
Ankommen, Treffen und Übernachtung:
Für das gesamte Wochenende sind Räume vom BdP (Bund deutscher Pfadfinder) im Baumweg 10 angemietet worden. Es gibt eine Küche und einen großen Seminarraum zum Treffen. Diese Räume sind leider nicht rolligerecht! Ausweichmöglichkeiten gibt es im angrenzenden Frauenverein.
Im BdP gibt es ca. 20 Übernachtungsmöglichkeiten. Eine Übernachtung kostet 15 €. Bettwäsche oder Schlafsäcke müssen mitgebracht werden. Für Schlafplätze meldet euch bis zum 13. November über Email (flfltWiderstand@yahoo.de) an. Barrierefreie Schlafplätze werden privat organisiert.
Ausgaben für Lebensmittel werden umgelegt.
Kontakt und Infos:
Weitere Infos können über die website: www.feministischeWiderstandstage.de
Anmeldung und Kontakt über Email: flfltWiderstand@yahoo.de
Endlich! Der antisexistische Infoladen in Berlin Neukölln eröffnet und bietet seinen zukünftigen Nutzer_innen in seinen Räumlichkeiten Platz für Plenas & Treffen, Diskussionen & Veranstaltungen, Kaffeekränzchen, Lektüre, Internetzugang und vieles mehr.
Programm
30.10 18h Vorstellung des Ladens
Zur Idee, was bisher lief und wie es nun weitergeht.
mit anschließendem Gourmetdinner bei Kerzenschein
31.10 ab 14h rauchfreier „Nachmittag der offenen Tür“ zum Kennenlernen
und Vernetzen mit Kaffee & Kuchen, Büchertisch, vielen Infos und kleinen Überraschungen
ab 21h Performance & Konzerte:
golden diskó ship (experimental folk electronica)
Sookee (feminist rap)
Djanes:
bigL (music for Angels)
miro sonic (house, tekno)
plüschgeknister plüschgeknister(techno, house)
dado (elektro, minimal)
sigi pop (trash-hits)
Abtreibungsverbote abschaffen – Gegen christlichen Fundamentalismus
Für den 26. September 2009 mobilisiert der Bundesverband Lebensrecht zu einem „Schweigemarsch“ mit dem Titel „1000 Kreuze für das Leben“. Wir rufen dazu auf, diesem laut undmit vielfältigen Aktionen entgegenzutreten. Die beteiligten Gruppen dieses „Schweigemarsches“ bezeichnen sich selbst als Lebensschützerinnen und Lebensschützer.
Dabei geht es ihnen auf der Grundlage eines christlich-fundamentalistischen Weltbildes um das Verbot und dieBestrafung von Abtreibungen. Sie sprechen allen Menschen und vor allem Frauen das Recht ab, über ihr Leben und ihre Körper selbst zu bestimmen. Sie lehnen jeden Schwangerschaftsabbruch als „vorgeburtliche Kindstötung“ ab. Statistisch unhaltbare Angaben über die Anzahl der Abtreibungen in der BRD sowie die von Abtreibungsgegner_innen erfundene Krankheit „Post-Abortion-Syndrome“ sollen Frauen moralisch unter Druck setzen und einschüchtern, sowie den Staat dazu bringen, die Möglichkeit zum Schwangerschaftsabbruch weiter einzuschränken.
Im Gegensatz zu einer verbreiteten Meinung ist ein Schwangerschaftsabbruch in der BRD weiterhin eine Straftat…
Zum vollständigen Aufruf:
http://no218nofundis.wordpress.com
VERANSTALTUNGEN
26.9. – 1000 Kreuze in die Spree. Aktionen gegen christlich-fundamentalistischen Schweigemarsch
12.30 Uhr Neptunbrunnen (Alex/Rotes Rathaus) 14.45 Uhr St. Hedwigs-Kathedrale (Bebelplatz)
Eine Auftaktkundgebung der Abtreibungsgegner_innen beginnt 13 Uhr am Neptunbrunnen, ab 14 Uhr führt eine Demo über Unter den Linden zur Hedwigskathedrale mit anschließendem Gottesdienst ab 15 Uhr. Oben genannte Gegenkundgebungen sind angemeldet. Bitte informiert Euch kurz vorher auf http://no218nofundis.wordpress.com über den aktuellen Stand.
Mittwoch, 9. September, 19 Uhr, K9
(Kinzigstraße 9/U-Bahnhof Samariterstraße)
LaD.I.Y.fest-Filmabend zu Abtreibungen
Mit „Like a Ship in the Night“, einem Dokumentarfilm über das Verbot von Abtreibungen in Irland und drei Frauen, die versuchen, es zu umgehen. Außerdem: „The Coat Hanger Project“, ein US-Dokumentarfilm über tödliche Gefahren, denen Frauen ausgesetzt sind, die zu illegalen Abtreibungen gewungen werden. Beide Filme sind auf englisch.
Donnerstag, 10. September, 20 Uhr , H48/Projektraum
Neukölln (Hermannstr. 48/U-Bahnhof Boddinstr.)
Infoveranstaltung „Christlicher Fundamentalismus“
Der christliche Fundamentalismus ist eine oft übersehene, aber relativ agile Bewegung. Grundsätzlich erhebt diese Bewegung den Anspruch, ein Moraldikatur errichten zu dürfen,
in welcher Individualität und selbstbestimmte Lebensentwürfe negiert werden und stattdessen Obrigkeitshörigkeit, ein autoritatives Menschenbild und ein heteronormatives Geschlechterbild als gewaltförmig durchzusetzende Werte gelten sollen. Die Gefährlichkeit und der Einfluss dieser Bewegung wird oft unterschätzt oder als Problem anderer Staaten beschrieben. Die Veranstaltung soll einen Überblick zu den Denkweisen, die Politik und Ziele dieser Bewegung bieten.
Freitag, 18.September, 19 Uhr, Tristeza (Pannierstr. 5)
„Rechtswidrig aber straffrei – Abtreibung in Gesetz & Praxis“
Abtreibung ist in Deutschland verboten. Nicht strafbar, aber weiterhin rechtswidrig ist sie lediglich bei einigen Indikationen. Was dieses Gesetz für die gynäkologische Praxis bedeutet und welche Umstände es Frauen außerdem erschweren, eine Abtreibung zu erhalten und auch über die Bedingungen dieser mitzubestimmen, spricht Dr. med. Blanka Kothé, Gynäkologin am Vivantes Humboldt-Klinikum, Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin. In Berlin ist es möglich, eine_n Ärzt_in zu finden, die_der auch nach der 22. Woche eine Abtreibung durchführt, in ganz Bayern nicht. Welche Unterschiede gibt es noch? Welche Auswirkungen hat dies? Darüber berichtet Prof. Dr. Ulrike Busch, Professorin für Familienplanung an der Hochschule Merseburg (FH).
Samstag, 19. September, 19 Uhr, Bandito Rosso
(Lottumstraße 10a / U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz)
Mobilisierungsveranstaltung „1000 Kreuze in die Spree“
Am kommenden Samstag wollen christliche Fundamentalist_innen und selbsternannte Lebensschützer durch Berlin ziehen. Wir wollen dies nicht zulassen und geben Euch heute
abend die letzten Infos.
Dienstag, 22. September, 20 Uhr, Mehringhof, Veranstaltungsraum
(Gneisenaustr. 2a, U-Bahnhof Mehringdamm)
Infoveranstaltung „Pränataldiagnostik und Abtreibungsrechte – Debatten und Fallstricke“
Was ist eigentlich Pränataldiagnostik? Was hat das mit Abtreibung zu tun? Wie wurde dieses Thema in der feministischen Bewegung der BRD verhandelt? Welche Positionen gibt es heute? Was passierte in der so genannten Spätabtreibungsdebatte, die 2009 zur Verschärfung des Schwangerschaftkonfliktgesetzes führte? Referentin: Susannne Schultz vom Gen-ethischen
Netzwerk e.V. Veranstaltet von: ak linker Feminismus
Aktuelle Informationen unter: http://no218nofundis.wordpress.com
Vom 3. bis 5. Juli findet die Konferenz Antisexistische Praxen III in
Berlin statt. Hier wird es um Austausch und Reflektion von früheren,
aktuellen und zukünftigen antisexistischen Praxen gehen, um die
Auseinandersetzungen mit und Interventionen in den sexistischen
Normalzustand, um Umgang und Unterstützung bei sexualisierter
Gewalt, um die Verschränkung mit anderen Dominanzverhältnissen wie
Rassismus/ Weissein und Ableism sowie um Körperpolitiken. Die Konferenz
ist offen für alle Geschlechter.
Das Programm findet ihr unter
http://antisexist-perspectives.so36.net/ASP-Konf-Programm09.pdf
Die neue Ausgabe »Unbehagen von Gewicht. Zum kritischen Potential von Queer.« incl. Literaturbeilage ist soeben erschienen!
(Zu beziehen über den örtlichen Info- oder Buchladen)
Anlässlich dessen gibt es eine Veranstaltung in Leipzig:
Mittwoch, 17.06.2009
»Begriffe von Gewicht. Patriarchat und heteronormative Matrix«
Patriarchat, heteronormative Matrix, Sexismus, Frauenunterdrückung – Begriffe, hinter denen sich verschiedene Konzepte von feministischer Gesellschaftskritik verbergen. Anstatt wilder und sinnfreier Wortjonglage wollen wir diese Konzepte offen legen und einer Kritik unterziehen. So wie sich die gesellschaftliche Realität verändert, wandeln sich auch die Begriffe, die zu ihrer Analyse herangezogen werden. »Patriarchat« gilt in manchen Kreisen als altbacken, verstaubt und dem Oldschool-Feminismus zugehörig. Dagegen kommt »heteronormative Matrix« für andere als abstrakter und unzugänglicher Szenejargon daher, der sich in queeren Zusammenhängen zwar großer Beliebtheit erfreut, für die Außenwelt, die Judith Butler nicht gelesen hat, aber eine leere Worthülse bleibt. Das Für und Wider und die Treffsicherheit der beiden Konzepte sollen diskutiert werden.
Eine Diskussionsveranstaltung des Antifaschistischen Frauenblock Leipzig (AFBL) in Kooperation mit PHASE 2 im Rahmen des Begleitprogramms zum Festival »Amplify! gender.text & tanz« – Die Veranstaltung findet gleichzeitig zum Erscheinen der neuen Phase 2 mit dem Schwerpunkt »Queer« statt.
Beginn: 19.30Uhr im Conne Island, Koburger Str. 3
Es gibt wieder Plakate in englisch und deutsch. Zu bestellen unter antisexism@freenet.de.
von Grupe Antisexistische Praxis/GAP
Wir schreiben diesen Text, weil Sexismus in unserer bisherigen Arbeit zu sexueller Gewalt stets als Stichwort verwendet wird, um den gewaltförmigen Normalzustand zu beschreiben, in dem sexuelle Gewalt stattfindet. Er dient uns allgegenwärtig als Grundlage, als Basis und Ausgangspunkt und stellt zugleich all das dar, wogegen wir angehen und was uns vor allem in konkreten Auseinandersetzungen um Fälle sexueller Gewalt in immer wieder seltsamen, absurden und auch ganz banalen Formen begegnet. Aber was meint der Begriff eigentlich? Wir haben uns umgeschaut, sind auf Definitionen, Texte und Debatten gestoßen und bleiben unzufrieden zurück. Unsere Eindrücke und entstandenen Fragen zur Klärung dieses Begriffs möchten wir hier transparent machen und in die Debatte werfen. Wir sind uns unsicher, wie Sexismus gegenwärtig definiert und bekämpft werden kann, möchten aber hiermit einen kleinen Beitrag zur weiteren Klärung liefern.
Sexismus ist alltäglich, Sexismus ist strukturell, ist ein Unterdrückungsverhältnis, ist Ungleichbehandlung, ist Diskriminierung, Stereotypisierung, Stigmatisierung, Unterdrückung, Zwangszuweisung von Geschlecht: Sexismus ist eher selten Thema und Sexismus nervt immer! Die Definitionen für Sexismus sind so zahlreich wie die Kämpfe, die gegen sexistische Normalzustände geführt werden. Sexismus gehört zum Alltag unserer Erfahrungen und schlägt sich in tausenden kleinen Handlungen, Vorstellungen und Vorurteilen nieder. Sexismus wird beständig reproduziert und ist ein manifester und eingeätzter Bestandteil unserer Gesellschaftsordnung.
Welche Wege geht wer alleine nach Hause? Wer traut sich nach einem langen Tag alleine in eine unbekannte Bar und könnte da in Ruhe alleine ein Bier trinken ohne nach (zumeist männlicher) Gesellschaft gefragt zu werden? Für wen stehen gemischte Fitness-Studios, Saunen etc. eigentlich wirklich offen? Wer nimmt ungebetenes Anstarren, blöde Anmachen und übergriffiges Verhalten schon gerne in Kauf? Was ist mit Bandtexten, denen eh kaum wer zuhört, die aber einige treffen, andere krass diskriminieren und wieder andere gleich auslöschen wollen? Und Partys, die gerne auch mit einem etikettierten Anspruch auf Antisexismus zu männlich dominierten Alkoholgelagen mutieren und sich in die lange Liste sexistischer Angsträume einreihen? Und dann wäre da noch die alltägliche mediale Belästigung mit standardisierten Körpern, den langweiligsten ultra-stereotypisierten Geschlechterrollen und quotenträchtigen Körper-Zurichtungs-Spektakeln, die selbst den entspanntesten Fernsehabend versauen können.
Kim kommt nach einem langen Tag Job/Schule/Ausbildung/Uni aus dem deutlich entspannenden und zumindest halbwegs aggressions-kanalisierenden Kickbox-Training. Während die Bilder von Lehrer/Prof/Chef/Kollege und Sparrings- Partner_in immer noch angenehm verschwimmen, schlendert Kim durch die nächtlichen Straßen nach Hause. Die Abendgestaltung ist noch offen. Kino war im Gespräch, der Film klang eher mäßig, durch die Kneipen ziehen macht wenig Laune und bedeutet eh fast immer Ärger und irgendwie lockt einfach das Bett, wäre da nicht der aktuelle WG-Stress im Weg…
Das Anprangern sexistischer Normalzustände ist nichts Neues. Ganz im Gegenteil: Es gibt jede Menge Texte, die versuchen, Sexismus aufzuzeigen, greifbar und bekämpfbar zu machen. Es geht dann um das Schließen von Angsträumen, um das Rückerobern der Nacht, Handlungsfähigkeit von Betroffenen zu stärken und um die Adressierung von zumeist Frauen, sich nicht diskriminieren/ angreifen/ unterdrücken/ stereotypisieren/ stigmatisieren zu lassen. Zum einen sind zahlreiche dieser Texte wichtige Instrumente zur Thematisierung und zur Kritik sexistischer Strukturen und natürlich zum Empowerment derjenigen, die davon betroffen sind. Zum anderen überkommt uns, und bestimmt auch einige andere, immer wieder ein merkwürdiges Unbehagen. Die Texte wirken hier und da unzeitgemäß, sie beziehen sich oft auf sehr eindeutige Geschlechtszuweisungen, drehen sich um die Kategorie „Frau“, eröffnen gerne geschlechtliche Dichotomien und auch das Reizwort „Patriarchat“ geht uns nicht mehr so einfach rein. Was da passiert erscheint uns folgendermaßen: Das Sprechen über Sexismus produziert in der Regel (mindestens) eine eindeutige Geschlechtsposition namens „Frau“: Frauen als Betroffene von Sexismus, Frauen als die, an die adressiert wird, gegen Sexismus zu kämpfen, sich Diskriminierungen und Co nicht gefallen zu lassen usw. Und natürlich fördert das Sprechen über Sexismus eindeutige Zuweisungen zutage, wo und wie Sexismus produziert und ausgeübt wird und inwiefern da ein tiefgreifender Zusammenhang zu männlicher Dominanz besteht. Und ohne diese Zuordnungen und Anordnungen in Frage stellen zu wollen, würden wir doch gerne über Sexismus schreiben können, gegen Sexismus angehen können, ohne immer gleich eine ganze Reihe von (ebenso sexistischen) Einordnungen und Zuordnungen zu produzieren.
Wie also über Sexismus schreiben ohne Opferpositionen zu verteilen oder zu beziehen und damit immer auch Identitäten festzuschreiben? Und wie über das immergleiche Problem schreiben, während es scheinbar immer schwieriger wird, es zu besprechen, obwohl es offensichtlich nicht verschwindet?
Und irgendwie bleibt es doch immer dasselbe. Es gibt keine Räume, keine Orte, keine Freund_innen, in und bei denen es halt mal dauerhaft ohne geht: Ohne nervige Sprüche, krasse Unsensibilität oder immer wieder die selben langweiligen Mackerstrukturen, die selbe blöde Rollenverteilung in der WG und immer wieder die selben miesen sexistischen Situationen, in denen Kim sich entweder beschwert oder halt die Klappe hält. Und meistens eher letzteres. Wer will sich schon gerne darüber beschweren, benachteiligt zu werden, diskriminiert zu werden, sexistisch behandelt zu werden, etc. Ist ja immer gleich ein riesiger Rattenschwanz: Du beschwerst Dich, du wirst zur Frau, zum Opfer, du verstehst keinen Spaß, du versuchst dich durchzusetzen: Dir wird plötzlich Verantwortung zugeschrieben an einer unangenehmen Situation, in der vielleicht jemand beschuldigt wird, in der sich Leute verhalten sollen, in der plötzlich alles hoch-politisch ist, was vorher doch „nur Spaß“ / „nicht so ernst“ / „nicht so gemeint“ war. Oder so ähnlich…Und nicht zuletzt entscheidet sich Kim ja auch vielleicht bewusst dagegen, so eine Situation einzugehen, die Platzanweisung, die damit zusammenhängt, annehmen zu wollen und den eigentlich netten Abend, das politisch so vielversprechende Treffen oder den eigentlich total tollen Film jetzt schlecht machen zu wollen. Vielleicht entscheidet sich Kim auch bewusst dagegen, gerade betroffen zu sein.
Die Thematisierung von Sexismus ist in unseren Augen doppelt belagert. Sexismus lässt sich im Kontext neoliberaler Vergesellschaftung immer schlechter fassen. Individualisierung, der in allen gesellschaftlichen Bereichen abgefeierte Glamour des starken, souveränen und unabhängigen Selbst, verträgt sich nicht so gut mit der Benennung von Unterdrückungsverhältnissen, deren Offensichtlichkeit zunehmend verschwindet und die meistens Einordnung und Zuordnung zu festen Identitäten mit sich bringen. Die damit einhergehende Homogenisierung (Frauen und andere Geschlechter) wird von einigen als falsch und kritikwürdig wahrgenommen. Drüber zu stehen, sich nicht unterkriegen lassen und halt einfach auch drüber lachen zu können ist in vielen Kontexten heute oft als Stärke markiert. Und zum Teil zu Recht: Feministische Bewegungen haben längst aufgeräumt mit der einfachen Analogie Frauen = Opfer. Wenn jedoch Riot-Grrrl zu „girlie“ wird oder postfeministische Strömungen die Figur der neuen Weiblichkeit im „Alphamädchen“ krönen und Sexismus gleich komplett mit der feministischen Vergangenheit begraben wird, kommen wir erneut zu unserem Unbehagen. Irgendwo verläuft dort eine undeutliche Grenze: Auf der einen Seite stehen wichtige Strategien des Empowerments, der Ablehnung von identitärer Einheitlichkeit und geschlechterpolitischer Zuordnung. Auf der anderen Seite finden wir trotzdem immer wieder Strategien, die auf Unsichtbarkeit von Sexismus, Sprachlosigkeit von Betroffenen und die alltägliche Verdrängung der immer anwesenden Einschränkungs- /Diskriminierungs- /Unterdrückungserfahrungen zielen. Konflikte um Sexismus einzugehen, scheint in der Folge zweifach schwierig zu sein: Du riskierst deinen Status als unabhängige und souveräne Person, riskierst Betroffene verschiedenster Unterdrückungsverhältnisse zu werden und du riskierst mit der Thematisierung krass auf die Schnauze zu fallen. Meistens bringt’s nämlich nichts.
So wie neulich: Der Film war eigentlich ganz nett. Kim war mit ein paar Freund_innen im Kino gewesen. Längst keinen Bock auf großes Kino, war die Wahl auf einen eher seichten Film gefallen. Alle waren sich einig, dass eh nicht viel zu erwarten war. Irgendwie war`s dann auch lustig. Bis auf eine echt miese sexistische Szene. Kim war einfach unglaublich genervt, fühlte sich erinnert an ähnliche Szenen und hatte vor allem den Eindruck, einfach nicht mehr „amüsiert“ zu sein. Und nachher? Über den Film wurde nicht mehr als das Nötigste gesprochen, es gab keine Analyse oder so. Der Übergang zum Tagesgeschäft, bzw. der Abendgestaltung ging eher fließend und der Konsens blieb halt, dass „man sich eben amüsiert hatte“. Auch Kim hatte sich dagegen entschieden, etwas zu sagen und damit einen Konflikt heraufzubeschwören oder allen anderen auf den Keks zu gehen. Der Film hinterließ seine Spuren, es machte keinen Spaß mehr und die Gruppe recht frühzeitig zu verlassen, um nach Hause zu gehen, war verlockend. Oder verlief der Abend doch anders?
Warum gibt es diese Konflikte nicht? Anders gefragt: Warum verschwinden sie in den allermeisten Situationen tausendfach in die individualisierte Selbstauseinandersetzung? Meistens heißt es, das „privat“ zu regeln, es in der Therapie oder woanders zu besprechen. Und nicht selten ist es auch wichtig, Konflikten aus dem Weg gehen zu können, um einigermaßen unbeschadet durch den Alltag zu kommen. Aber ist es denn einfach noch viel uncooler geworden, Sexismus zu kritisieren und darum herum Konflikte zu installieren? Liegt hier das Problem in der Identität? Sich nicht zuordnen zu wollen, sich vor allem nicht mit einer benachteiligten und untergeordneten Position zu identifizieren/den Platz angewiesen zu bekommen, sondern eben immer unangreifbar zu bleiben/bleiben zu wollen? Wir wissen es nicht und können hier auch keine endgültige Klarheit schaffen. Uns liegt vor allem daran zu problematisieren, dass sich der Kontext, in dem Sexismus angegriffen werden kann, verschoben hat. Ein formal antisexistischer Mainstream verbündet sich hübsch mit der allgemein angenommen Entschärfung geschlechterpolitischer Gegensätze. Das macht es vorraussetzungsvoller, um Sexismus herum eine politische Ebene zu erzeugen: Bündnisfragen sind komplexer geworden, alte Fronten sind gebröckelt und Sexismus muss deutlich subtiler kritisiert werden; während immer noch genug Sexismen erfahrbar sind, denen jede Subtilität abgeht.
Es gilt, den Fokus auf eine der wesentlichsten Strategien der Vermittlung von Sexismus zu richten: seine Unsichtbarkeit und Selbstverständlichkeit, sein stillschweigender Konsens über die Normalität und Harmlosigkeit „kleinerer Kommentare“ oder die scheinbar unpolitische Dimension von Rollenverteilung in Gruppen und Freund_innenkreisen, die Privatisierung von Beziehungskonflikten und die Individualisierung von Betroffenheit. All das ist nicht neu. Neu ist die Art und Weise, in der es schwerer wird, darüber zu sprechen und politische Strategien gegen Sexismus zu entwickeln.
Uns geht es nicht um die Neuformulierung alter Gegenstrategien, sondern um die angemessene Reaktion auf neue sexistische Normalzustände. Unangreifbarkeit von sexistischer Alltäglichkeit ist heute nicht mehr hinter einer eisernen Front patriarchaler Männerbündelei versteckt. Es macht aber auch keinen Sinn, nun in den Zeiten der ach so progressiven Sexualitäts- und Geschlechterpolitik, auf einen allgemeinen Rollenverlust zu verweisen und politische Konflikte, in denen es Betroffene und Urheber gibt, in die strukturelle Beliebigkeit aufzulösen.
Die spannende Frage ist doch, wer welche Möglichkeiten/Ressourcen/Risiken hat, Dinge zu benennen, Sexismus zu kritisieren; wer kann an welcher Stelle Nein sagen, Diskussionen stoppen oder fordern? Wer hat die Möglichkeit, sich zu entziehen oder sich in einem Konflikt besonders zu exponieren? Und vor allem: Wer kann all dies um welchen Preis? Wer kann sich über Sexismus beschweren und eröffnet damit einen politisch anerkannten Fokus für den großen Kampf und wer bringt einen Konflikt auf und erfährt dadurch vor allem Mitleid (statt Solidarität) als Betroffene in einem Herrschaftsverhältnis? Und wer will den Scheiß schon?
Wir möchten die Regelwerke, die um die Thematisierung und Konfliktisierung von Sexismus herum errichtet sind, in Frage stellen. Wir möchten Debatten um die Plätze, in die wir (übrigens: sexistisch) eingewiesen werden, wenn wir Sexismus kritisieren. Wir möchten Diskussionen um die Selbstverständlichkeit des sexistischen Normalzustandes, dessen Schmerzgrenze ständig verhandelt wird und immer wieder männlich dominiert und bis ins Unerträgliche ausgeweitet wird. Wir möchten uns zweifachen Herausforderungen stellen und denken gerne weiter in die Richtung, wo Geschlechterpolitiken so verqueerend wirken, dass Konflikte um Sexismen eingegangen werden können, ohne dass damit gleich wieder Identitäten fixiert werden.
Und dann wieder so eine Situation. Ein Typ kriegt es auf einer Party wieder hin, systematisch diverse Grenzen zu verletzen und äußerst unangenehm aufzufallen. Ein Freund von Kim mischt sich ein, spielt den heroischen Antisexisten und lässt sich auf eine elendige Auseinandersetzung mit dem nervigen Typen ein, die eh – wie immer zu später Stunde – nichts bringen wird. Und da reicht`s dann einfach: Wieso fällt es ihm so leicht, sich hier über Sexismus und nervige Typen zu beschweren? Wieso riskiert er damit nichts und erhält scheinbar noch ’nen hoch dotierten Heldenbonus? Sexistische Kackscheiße! denkt sich Kim und holt aus: Zunächst mal gilt es jetzt diese Situation auseinander zu nehmen und dann war da noch was mit dem Film vorhin…und das braucht jetzt einfach mal Raum. Und den nimmt Kim sich jetzt einfach.