Archiv der Kategorie 'AS.ISM_3'

No Peace with Sexism

von LISA2 Marburg

Seit über einem Jahr gibt es in einer kleinen Stadt – mit einer überschaubaren linken Szene, in der sich die meisten persönlich kennen – immer wieder Konfrontationen im Zusammenhang mit dem „Nein heißt Nein“ – Plakat [vgl. as.ism1+2].
Die Vermutung liegt nahe, dass der Inhalt entweder nicht verstanden oder bewusst missachtet wird. Das geht dann vom Vorwurf der Lustfeindlichkeit bis zur aktiven Handlung, die sich durch den Abriss des Plakates zeigt. Anhand dieser und anderer Beispiele werden übliche Probleme in der Auseinandersetzung mit Sexismen und spezifische Aspekte in einem Milieu in welchem „man sich kennt“ deutlich. Es geht uns in diesem Text nicht um eine „Abrechnung“ mit Personen/Gruppen die sich hier evtl. wieder erkennen. Es geht uns um die Darstellung möglicher Konsequenzen einer antisexistischen Praxis bzw. darum, eine Sensibilität für sexistische Strukturen zu fördern.

Die Intention des „Nein heißt Nein“-Plakates wurde in den vorangegangenen Readern bereits deutlich. Für uns bezieht es sich auf das deutliche Verweisen, auf die Achtung persönlicher (Körper-) Grenzen bzw. auf die „Definitionsmacht“ [s. as.ism1+2], die klarstellt, dass es in der Macht der_des Einzelnen liegt, wann eine Grenzüberschreitung stattgefunden hat und im Weiteren, wie damit umzugehen ist. Es stellt den Versuch dar, einen (selbst-) bewussten Umgang mit- und untereinander zu gestalten und darüber hinaus Räume jenseits des (hetero-) sexistischen Normalzustands zu schaffen und zu verteidigen. Räume, in denen Parteilichkeit gegenüber Betroffenen garantiert ist und noch so subtile Formen sexualisierter Gewalt und Belästigung nicht geduldet werden. Das Konzept der „Definitionsmacht“ beinhaltet zudem die Forderung, dass es – vor jeglicher (Inter-) Aktion – zu interessieren hat, was die andere Person will oder nicht will. Dies ist die Basis eines respektvollen Umgangs miteinander.
Durch solidarisches Verhalten, das sich an den Bedürfnissen der Betroffenen orientiert, kann vermittelt werden, dass Sexismus kein privates Problem ist, sondern ein Politikum, das auch als solches behandelt und zu dem Stellung bezogen werden muss. Jegliches anderes Verhalten oder Nicht-Verhalten dazu trägt zum Schutz der grenzüberschreitenden Person bei und stützt sexistische Strukturen. Die konsequente Anerkennung und Umsetzung der Definitionsmacht bedeutet also auch eine klare Positionierung einzunehmen und einzufordern. Es gilt, sich dieser Verantwortung zu stellen.

Die Kleinstadtidylle

In den uns bekannten sexistischen Vorfällen – raumübergreifendes Verhalten, sexualisierte Übergriffe, antifeministische Statements und Handlungen etc. – war der Umgang innerhalb „der Szene“ nie konfliktfrei und verlief in für sexistische Vorfälle klassischen Bahnen.
Zogen Personen und/oder Gruppen Konsequenzen im Sinne einer antisexistischen Praxis, so folgte Empörung auf Seiten der grenzverletzenden Person bzw. dessen Umfeldes und eine Welle der Solidarisierung mit jenen. Die Beurteilung der Situation durch Betroffene wurde für überzogen, lächerlich oder anmaßend erachtet. Das vermeintliche Leid der Täter (durch Hausverbote, Rechenschaft ablegen zu müssen, Rausschmisse…) wurde grundsätzlich über die Situation und die Befindlichkeit der Betroffenen gestellt.

Bezeichnend für den Umgang mit sexistischem Verhalten in erwähnter Kleinstadt ist das Nicht-Verhalten der meisten politischen Gruppen und Einzelpersonen.
Nachdem „die Szene“ mit einer Situation konfrontiert war, bei der es unter anderem darum ging, die Definitionsmacht der betroffenen Personen durchzusetzen, war eine klassische Dynamik zu beobachten.
So beispielsweise nach dem Abriss des oben erwähnten Plakates in einem Raum, der sich offen als links-emanzipatorisch und antisexistisch versteht.
In jedem dieser Vorkommnisse waren die Akteure männlich und bewegten sich innerhalb einer männlich dominierten Gruppe bzw. konnten sich der Unterstützung ihres Umfeldes sicher sein.
Notwendig war das Agieren vor dem Hintergrund eines antisexistischen Verständnisses, worauf mit Ignoranz, Unverständnis und Pöbeleien reagiert wurde.
Gekränkte Eitelkeiten, die Unfähigkeit eigenes Handeln kritisch zu hinterfragen und das beweisen-müssen der Position innerhalb der Peers waren wohl ausschlaggebend.
Die Situation und Befindlichkeit derer, deren Grenzen verletzt wurden, die unangenehmen Situationen ausgesetzt waren und nun mit den Folgen zu tun hatten, wurde vollends
ignoriert. Im Vordergrund stand das Leid des Täters und seine schwere Belastung durch Hausverbote, Rausschmisse oder sonstige Sanktionen.

… und ihre Reaktionen

Nachdem Hausverbote durchgesetzt und Rausschmisse getätigt wurden, begann sich „die Szene“ zu regen – oder eben auch nicht.
Zum einen bildete sich eine Front der Empörung. Die Interventionen seien unverhältnismäßig, die Einzelperson müsse im Szeneclinch als Sündenbock für die ganze Gruppe herhalten. Außerdem handle es sich um eine unpolitische Affekthandlung und Alkohol sei auch im Spiel gewesen.
Hausverbote und Rausschmisse hatten zur Folge, dass die ‚Verantwortlichen’ zu jeder Zeit Rechenschaft abzulegen hatten. Auch das bewusste missachten des Hausverbotes gehörte zum Repertoire.
Repräsentativ an diesem Beispiel ist, dass nicht nur das Täterumfeld auf klassische Art und Weise reagierte, sondern auch Andere. Der Vorfall und das Plakat wurden entpolitisiert und inhaltlich verdreht. Das Täterumfeld versuchte den Vorfall auf eine persönliche Ebene zu reduzieren, ein „Privatkonflikt“ wurde dingfest gemacht, wodurch das Geschehene verharmlost wurde: „Er ist doch so nett – Er hat es gar nicht so gemeint“ oder „Das ist an dem Abend blöd gelaufen…“. Die Täterperspektive wurde zum Gegenstand der „Auseinandersetzungen“. Die Intervenierenden mussten sich immer wieder rechtfertigen und wurden dadurch unter Druck gesetzt.
Gerade auch im Szenetratsch dominiert die Täterperspektive und das Nicht-Verhalten und bedrängt die Betroffenen und die, die sich in antisexistische Praxis üben.
Hausverbote oder Rausschmisse stellen eine effektive Möglichkeit dar, ein antidiskriminierendes Selbstverständnis aufrecht zu erhalten und zu verteidigen.

Die Situation in unserer Stadt ist typisch dafür, dass keine inhaltliche Auseinandersetzung über Sexismus stattfindet, sondern ein konstruierter, privater „Streit“ in den Mittelpunkt gerückt wird. Eine kritische Reflexion der Geschehnisse, von Seiten des Täterumfeldes, blieben bisher aus.
Über die Bedeutung der sexistischen Vorfälle scheint es, sowohl im Täterumfeld als auch in der Kleinstadtszene, kaum differenzierten Auseinaderseztungen gegeben zu haben. Ständiges über-das-Hausverbot-reden und wie ungerecht dieses sei, steht vielmehr im Fokus der Auseinandersetzung. Die Problematik des Geschehenen wird durch die Verdrehung der Tatsachen herunter gespielt.

Es wird wieder einmal sichtbar, dass Antisexismus – wenn überhaupt – nur als politisches Label existiert. Dies bedeutet auch, dass die meisten (Kleinstadt-)Gruppen und politischen Räume das Thema nicht wahrnehmen und keinen Praxisbezug zu ihrem „antisexistischen“ Selbstverständnis haben.

Gegegn diesen Normalzustand!

Die „wichtigen“ Diskussionen über die neueste Marxismusauslegung, den nächsten Naziaufmarsch oder den letzten antideutschen/antiimp Flyer finden in der Polit-Gruppe oder an der Uni statt. Sexismus wird meistens während der „Freizeit“ von Einzelpersonen thematisiert – in den Gruppen ist dafür kein Platz. „Das Private ist politisch“ ist als Slogan bekannt, jedoch scheint es in so vielen Situationen kaum kritische Auseinandersetzungen mit dieser Aussage zu geben. Hinter dem „Privaten“ scheint ein „Privateres“ zu existieren. Gerade in dieser Sphäre ‚passiert’ Sexismus und wird außerhalb einer kritischen Analyse und jeder politischen Dimension verortet.
Das Problem der Nicht-Auseinandersetzung mit sexistischem Verhalten zeigt sich dann in der Kneipe, bei Partys und anderen Freizeitevents durch ein Nicht-Verhalten gegenüber sexistisch Handelnden. Allen Personen in einem linken Raum ist klar, wie sie reagieren, wenn ein Verbindungsstudent auftaucht. Aber bei einer Person aus dem „linken“ Kontext, die für sexistische Statements oder Vorfälle bekannt ist, ist ein Nicht-Reagieren zu beobachten.

Wer schweigt stimmt zu!

Sexistisches Verhalten muss als solches identifiziert, thematisiert und angegriffen werden, ohne dabei das große Ganze – den sexistischen Normalzustand – aus dem Blick zu verlieren. Das Problem ist ein strukturelles und bedarf eingehender Selbstreflexion, was sowohl Einzelne betrifft, als auch „die Szene“. Es sollte nicht allein Aufgabe weniger, engagierter Personen sein, auf Missstände und -verhältnisse aufmerksam zu machen, sondern im Interesse aller liegen, dass sich eine antidiskriminierende und respektvolle Praxis zum (linken) Normalzustand entwickelt.
Es ist notwendig eine Diskussion über sexistisches Verhalten zu führen und einen solidarischen Umgang mit Betroffenen zu praktizieren. Fight back!

Hot Topic?

von Grupe Antisexistische Praxis/GAP

Wir schreiben diesen Text, weil Sexismus in unserer bisherigen Arbeit zu sexueller Gewalt stets als Stichwort verwendet wird, um den gewaltförmigen Normalzustand zu beschreiben, in dem sexuelle Gewalt stattfindet. Er dient uns allgegenwärtig als Grundlage, als Basis und Ausgangspunkt und stellt zugleich all das dar, wogegen wir angehen und was uns vor allem in konkreten Auseinandersetzungen um Fälle sexueller Gewalt in immer wieder seltsamen, absurden und auch ganz banalen Formen begegnet. Aber was meint der Begriff eigentlich? Wir haben uns umgeschaut, sind auf Definitionen, Texte und Debatten gestoßen und bleiben unzufrieden zurück. Unsere Eindrücke und entstandenen Fragen zur Klärung dieses Begriffs möchten wir hier transparent machen und in die Debatte werfen. Wir sind uns unsicher, wie Sexismus gegenwärtig definiert und bekämpft werden kann, möchten aber hiermit einen kleinen Beitrag zur weiteren Klärung liefern.

Sexismus ist alltäglich, Sexismus ist strukturell, ist ein Unterdrückungsverhältnis, ist Ungleichbehandlung, ist Diskriminierung, Stereotypisierung, Stigmatisierung, Unterdrückung, Zwangszuweisung von Geschlecht: Sexismus ist eher selten Thema und Sexismus nervt immer! Die Definitionen für Sexismus sind so zahlreich wie die Kämpfe, die gegen sexistische Normalzustände geführt werden. Sexismus gehört zum Alltag unserer Erfahrungen und schlägt sich in tausenden kleinen Handlungen, Vorstellungen und Vorurteilen nieder. Sexismus wird beständig reproduziert und ist ein manifester und eingeätzter Bestandteil unserer Gesellschaftsordnung.
Welche Wege geht wer alleine nach Hause? Wer traut sich nach einem langen Tag alleine in eine unbekannte Bar und könnte da in Ruhe alleine ein Bier trinken ohne nach (zumeist männlicher) Gesellschaft gefragt zu werden? Für wen stehen gemischte Fitness-Studios, Saunen etc. eigentlich wirklich offen? Wer nimmt ungebetenes Anstarren, blöde Anmachen und übergriffiges Verhalten schon gerne in Kauf? Was ist mit Bandtexten, denen eh kaum wer zuhört, die aber einige treffen, andere krass diskriminieren und wieder andere gleich auslöschen wollen? Und Partys, die gerne auch mit einem etikettierten Anspruch auf Antisexismus zu männlich dominierten Alkoholgelagen mutieren und sich in die lange Liste sexistischer Angsträume einreihen? Und dann wäre da noch die alltägliche mediale Belästigung mit standardisierten Körpern, den langweiligsten ultra-stereotypisierten Geschlechterrollen und quotenträchtigen Körper-Zurichtungs-Spektakeln, die selbst den entspanntesten Fernsehabend versauen können.

Kim kommt nach einem langen Tag Job/Schule/Ausbildung/Uni aus dem deutlich entspannenden und zumindest halbwegs aggressions-kanalisierenden Kickbox-Training. Während die Bilder von Lehrer/Prof/Chef/Kollege und Sparrings- Partner_in immer noch angenehm verschwimmen, schlendert Kim durch die nächtlichen Straßen nach Hause. Die Abendgestaltung ist noch offen. Kino war im Gespräch, der Film klang eher mäßig, durch die Kneipen ziehen macht wenig Laune und bedeutet eh fast immer Ärger und irgendwie lockt einfach das Bett, wäre da nicht der aktuelle WG-Stress im Weg…

Das Anprangern sexistischer Normalzustände ist nichts Neues. Ganz im Gegenteil: Es gibt jede Menge Texte, die versuchen, Sexismus aufzuzeigen, greifbar und bekämpfbar zu machen. Es geht dann um das Schließen von Angsträumen, um das Rückerobern der Nacht, Handlungsfähigkeit von Betroffenen zu stärken und um die Adressierung von zumeist Frauen, sich nicht diskriminieren/ angreifen/ unterdrücken/ stereotypisieren/ stigmatisieren zu lassen. Zum einen sind zahlreiche dieser Texte wichtige Instrumente zur Thematisierung und zur Kritik sexistischer Strukturen und natürlich zum Empowerment derjenigen, die davon betroffen sind. Zum anderen überkommt uns, und bestimmt auch einige andere, immer wieder ein merkwürdiges Unbehagen. Die Texte wirken hier und da unzeitgemäß, sie beziehen sich oft auf sehr eindeutige Geschlechtszuweisungen, drehen sich um die Kategorie „Frau“, eröffnen gerne geschlechtliche Dichotomien und auch das Reizwort „Patriarchat“ geht uns nicht mehr so einfach rein. Was da passiert erscheint uns folgendermaßen: Das Sprechen über Sexismus produziert in der Regel (mindestens) eine eindeutige Geschlechtsposition namens „Frau“: Frauen als Betroffene von Sexismus, Frauen als die, an die adressiert wird, gegen Sexismus zu kämpfen, sich Diskriminierungen und Co nicht gefallen zu lassen usw. Und natürlich fördert das Sprechen über Sexismus eindeutige Zuweisungen zutage, wo und wie Sexismus produziert und ausgeübt wird und inwiefern da ein tiefgreifender Zusammenhang zu männlicher Dominanz besteht. Und ohne diese Zuordnungen und Anordnungen in Frage stellen zu wollen, würden wir doch gerne über Sexismus schreiben können, gegen Sexismus angehen können, ohne immer gleich eine ganze Reihe von (ebenso sexistischen) Einordnungen und Zuordnungen zu produzieren.
Wie also über Sexismus schreiben ohne Opferpositionen zu verteilen oder zu beziehen und damit immer auch Identitäten festzuschreiben? Und wie über das immergleiche Problem schreiben, während es scheinbar immer schwieriger wird, es zu besprechen, obwohl es offensichtlich nicht verschwindet?

Und irgendwie bleibt es doch immer dasselbe. Es gibt keine Räume, keine Orte, keine Freund_innen, in und bei denen es halt mal dauerhaft ohne geht: Ohne nervige Sprüche, krasse Unsensibilität oder immer wieder die selben langweiligen Mackerstrukturen, die selbe blöde Rollenverteilung in der WG und immer wieder die selben miesen sexistischen Situationen, in denen Kim sich entweder beschwert oder halt die Klappe hält. Und meistens eher letzteres. Wer will sich schon gerne darüber beschweren, benachteiligt zu werden, diskriminiert zu werden, sexistisch behandelt zu werden, etc. Ist ja immer gleich ein riesiger Rattenschwanz: Du beschwerst Dich, du wirst zur Frau, zum Opfer, du verstehst keinen Spaß, du versuchst dich durchzusetzen: Dir wird plötzlich Verantwortung zugeschrieben an einer unangenehmen Situation, in der vielleicht jemand beschuldigt wird, in der sich Leute verhalten sollen, in der plötzlich alles hoch-politisch ist, was vorher doch „nur Spaß“ / „nicht so ernst“ / „nicht so gemeint“ war. Oder so ähnlich…Und nicht zuletzt entscheidet sich Kim ja auch vielleicht bewusst dagegen, so eine Situation einzugehen, die Platzanweisung, die damit zusammenhängt, annehmen zu wollen und den eigentlich netten Abend, das politisch so vielversprechende Treffen oder den eigentlich total tollen Film jetzt schlecht machen zu wollen. Vielleicht entscheidet sich Kim auch bewusst dagegen, gerade betroffen zu sein.

Die Thematisierung von Sexismus ist in unseren Augen doppelt belagert. Sexismus lässt sich im Kontext neoliberaler Vergesellschaftung immer schlechter fassen. Individualisierung, der in allen gesellschaftlichen Bereichen abgefeierte Glamour des starken, souveränen und unabhängigen Selbst, verträgt sich nicht so gut mit der Benennung von Unterdrückungsverhältnissen, deren Offensichtlichkeit zunehmend verschwindet und die meistens Einordnung und Zuordnung zu festen Identitäten mit sich bringen. Die damit einhergehende Homogenisierung (Frauen und andere Geschlechter) wird von einigen als falsch und kritikwürdig wahrgenommen. Drüber zu stehen, sich nicht unterkriegen lassen und halt einfach auch drüber lachen zu können ist in vielen Kontexten heute oft als Stärke markiert. Und zum Teil zu Recht: Feministische Bewegungen haben längst aufgeräumt mit der einfachen Analogie Frauen = Opfer. Wenn jedoch Riot-Grrrl zu „girlie“ wird oder postfeministische Strömungen die Figur der neuen Weiblichkeit im „Alphamädchen“ krönen und Sexismus gleich komplett mit der feministischen Vergangenheit begraben wird, kommen wir erneut zu unserem Unbehagen. Irgendwo verläuft dort eine undeutliche Grenze: Auf der einen Seite stehen wichtige Strategien des Empowerments, der Ablehnung von identitärer Einheitlichkeit und geschlechterpolitischer Zuordnung. Auf der anderen Seite finden wir trotzdem immer wieder Strategien, die auf Unsichtbarkeit von Sexismus, Sprachlosigkeit von Betroffenen und die alltägliche Verdrängung der immer anwesenden Einschränkungs- /Diskriminierungs- /Unterdrückungserfahrungen zielen. Konflikte um Sexismus einzugehen, scheint in der Folge zweifach schwierig zu sein: Du riskierst deinen Status als unabhängige und souveräne Person, riskierst Betroffene verschiedenster Unterdrückungsverhältnisse zu werden und du riskierst mit der Thematisierung krass auf die Schnauze zu fallen. Meistens bringt’s nämlich nichts.

So wie neulich: Der Film war eigentlich ganz nett. Kim war mit ein paar Freund_innen im Kino gewesen. Längst keinen Bock auf großes Kino, war die Wahl auf einen eher seichten Film gefallen. Alle waren sich einig, dass eh nicht viel zu erwarten war. Irgendwie war`s dann auch lustig. Bis auf eine echt miese sexistische Szene. Kim war einfach unglaublich genervt, fühlte sich erinnert an ähnliche Szenen und hatte vor allem den Eindruck, einfach nicht mehr „amüsiert“ zu sein. Und nachher? Über den Film wurde nicht mehr als das Nötigste gesprochen, es gab keine Analyse oder so. Der Übergang zum Tagesgeschäft, bzw. der Abendgestaltung ging eher fließend und der Konsens blieb halt, dass „man sich eben amüsiert hatte“. Auch Kim hatte sich dagegen entschieden, etwas zu sagen und damit einen Konflikt heraufzubeschwören oder allen anderen auf den Keks zu gehen. Der Film hinterließ seine Spuren, es machte keinen Spaß mehr und die Gruppe recht frühzeitig zu verlassen, um nach Hause zu gehen, war verlockend. Oder verlief der Abend doch anders?

Warum gibt es diese Konflikte nicht? Anders gefragt: Warum verschwinden sie in den allermeisten Situationen tausendfach in die individualisierte Selbstauseinandersetzung? Meistens heißt es, das „privat“ zu regeln, es in der Therapie oder woanders zu besprechen. Und nicht selten ist es auch wichtig, Konflikten aus dem Weg gehen zu können, um einigermaßen unbeschadet durch den Alltag zu kommen. Aber ist es denn einfach noch viel uncooler geworden, Sexismus zu kritisieren und darum herum Konflikte zu installieren? Liegt hier das Problem in der Identität? Sich nicht zuordnen zu wollen, sich vor allem nicht mit einer benachteiligten und untergeordneten Position zu identifizieren/den Platz angewiesen zu bekommen, sondern eben immer unangreifbar zu bleiben/bleiben zu wollen? Wir wissen es nicht und können hier auch keine endgültige Klarheit schaffen. Uns liegt vor allem daran zu problematisieren, dass sich der Kontext, in dem Sexismus angegriffen werden kann, verschoben hat. Ein formal antisexistischer Mainstream verbündet sich hübsch mit der allgemein angenommen Entschärfung geschlechterpolitischer Gegensätze. Das macht es vorraussetzungsvoller, um Sexismus herum eine politische Ebene zu erzeugen: Bündnisfragen sind komplexer geworden, alte Fronten sind gebröckelt und Sexismus muss deutlich subtiler kritisiert werden; während immer noch genug Sexismen erfahrbar sind, denen jede Subtilität abgeht.
Es gilt, den Fokus auf eine der wesentlichsten Strategien der Vermittlung von Sexismus zu richten: seine Unsichtbarkeit und Selbstverständlichkeit, sein stillschweigender Konsens über die Normalität und Harmlosigkeit „kleinerer Kommentare“ oder die scheinbar unpolitische Dimension von Rollenverteilung in Gruppen und Freund_innenkreisen, die Privatisierung von Beziehungskonflikten und die Individualisierung von Betroffenheit. All das ist nicht neu. Neu ist die Art und Weise, in der es schwerer wird, darüber zu sprechen und politische Strategien gegen Sexismus zu entwickeln.
Uns geht es nicht um die Neuformulierung alter Gegenstrategien, sondern um die angemessene Reaktion auf neue sexistische Normalzustände. Unangreifbarkeit von sexistischer Alltäglichkeit ist heute nicht mehr hinter einer eisernen Front patriarchaler Männerbündelei versteckt. Es macht aber auch keinen Sinn, nun in den Zeiten der ach so progressiven Sexualitäts- und Geschlechterpolitik, auf einen allgemeinen Rollenverlust zu verweisen und politische Konflikte, in denen es Betroffene und Urheber gibt, in die strukturelle Beliebigkeit aufzulösen.
Die spannende Frage ist doch, wer welche Möglichkeiten/Ressourcen/Risiken hat, Dinge zu benennen, Sexismus zu kritisieren; wer kann an welcher Stelle Nein sagen, Diskussionen stoppen oder fordern? Wer hat die Möglichkeit, sich zu entziehen oder sich in einem Konflikt besonders zu exponieren? Und vor allem: Wer kann all dies um welchen Preis? Wer kann sich über Sexismus beschweren und eröffnet damit einen politisch anerkannten Fokus für den großen Kampf und wer bringt einen Konflikt auf und erfährt dadurch vor allem Mitleid (statt Solidarität) als Betroffene in einem Herrschaftsverhältnis? Und wer will den Scheiß schon?
Wir möchten die Regelwerke, die um die Thematisierung und Konfliktisierung von Sexismus herum errichtet sind, in Frage stellen. Wir möchten Debatten um die Plätze, in die wir (übrigens: sexistisch) eingewiesen werden, wenn wir Sexismus kritisieren. Wir möchten Diskussionen um die Selbstverständlichkeit des sexistischen Normalzustandes, dessen Schmerzgrenze ständig verhandelt wird und immer wieder männlich dominiert und bis ins Unerträgliche ausgeweitet wird. Wir möchten uns zweifachen Herausforderungen stellen und denken gerne weiter in die Richtung, wo Geschlechterpolitiken so verqueerend wirken, dass Konflikte um Sexismen eingegangen werden können, ohne dass damit gleich wieder Identitäten fixiert werden.

Und dann wieder so eine Situation. Ein Typ kriegt es auf einer Party wieder hin, systematisch diverse Grenzen zu verletzen und äußerst unangenehm aufzufallen. Ein Freund von Kim mischt sich ein, spielt den heroischen Antisexisten und lässt sich auf eine elendige Auseinandersetzung mit dem nervigen Typen ein, die eh – wie immer zu später Stunde – nichts bringen wird. Und da reicht`s dann einfach: Wieso fällt es ihm so leicht, sich hier über Sexismus und nervige Typen zu beschweren? Wieso riskiert er damit nichts und erhält scheinbar noch ’nen hoch dotierten Heldenbonus? Sexistische Kackscheiße! denkt sich Kim und holt aus: Zunächst mal gilt es jetzt diese Situation auseinander zu nehmen und dann war da noch was mit dem Film vorhin…und das braucht jetzt einfach mal Raum. Und den nimmt Kim sich jetzt einfach.

Frauen in der Politik heute — Zwischen Emanzipation und Backlash

vom Antifaschistischer Frauenblock Leipzig/AFBL

Es hat sich einiges geändert, seitdem die Erste Frauenbewegung in Deutschland für die politischen Rechte der Frauen gekämpft hat. Heute sind zum Beispiel immer mehr Frauen in politischen Führungspositionen: Von den 14 Bundesministerien werden fünf von Frauen geführt. Ende der Achtziger gab es 15 % Frauen im Parlament, heute sind es doppelt so viele. Hinzu kommt, dass es seit 2005 eine Frau in der Position der Bundeskanzlerin gibt. Diese Steigerung der Präsenz von Frauen in politischen Positionen bringt das Feuilleton zu der Behauptung, dass in Deutschland nun Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern herrsche. Aufgeregt fragt es: Ist die Gesellschaft emanzipiert? Es wird gar von den neuen starken Frauen berichtet, den Alphamädchen, die angeblich auf der Überholspur wären und die Männer bezüglich Abiturabschlussquoten schon überholt haben. Trotz dieser und anderer handfester Beweise bleibt vieles gleich, was gut am Feld Politik aufgezeigt werden kann. Männer haben die „wichtigeren“ Posten auf Bundes- und Landesebene, wie zum Beispiel das Wirtschaftsministerium oder das Innen- und Außenministerium. Frauen haben die traditionell „unwichtigen“ Posten für soziale und familiäre Bereiche, also ganz klassisch solche, welche die Themenfelder des „Privaten“ abdecken. Aus einer kritischen Perspektive muss viel mehr gefragt werden, ob mit der Partizipation auch eine Emanzipation einhergeht, wie die Zweite Frauenbewegung erhoffte, und ob Feminismus einen neuen Stellenwert bekommen hat. Im Folgenden nehmen wir die Vorstellungen über Frauen und Weiblichkeit unter die Lupe. Dabei konzentrieren wir uns auf einzelne Debatten, wie die um Eva Herman, um Ursula von der Leyen und Gabriele Pauli. Zwar schon etwas älter, aber dennoch relevant für dieses Thema, ist die Aufmerksamkeit für Angela Merkel als Bundeskanzlerin.

Eva und Herrmann

In den letzten Jahren löste die ehemalige Tagesschausprecherin Eva Herman mit ihrem Buch das „Eva-Prinzip. Für eine neue Weiblichkeit“ in Deutschland eine hitzige Debatte über Geschlechterverhältnisse aus. Darin fordert sie, dass die Frauen zu ihrer natürlichen Rolle als Mutter zurückkehren sollten, um die gesellschaftliche Ordnung wieder herzustellen. Dabei bedient sie sich längst überholt geglaubter Vorstellungen von Geschlechtern. Trotz feministischer Kämpfe und Theorien sowie Gender Studies werden diese Bilder eins zu eins als Tatsachen verkauft. So schreibt Herman: „Der Mann steht in der Schöpfung als der aktive, kraftvolle, starke und beschützende Part, die Frau dagegen als der empfindsamere, mitfühlende, reinere und mütterliche Teil“.
Diese „natürliche Geschlechterordnung“, so behauptet sie weiter, führe zu Harmonie und Frieden in den Familien, die sie in der heutigen Gesellschaft als gestört ansieht. Nicht die kapitalistischen Verhältnisse und die alleinige Verantwortung für Haushalt und Kinder werden hier für die Doppelbelastung der Frau verantwortlich gemacht, sondern Schuld sei der Feminismus, der die Frauen dazu treibe, gegen ihre angebliche Natur zu handeln und zu vermännlichen. Nach Herman setzt die Vermännlichung dann ein, wenn Frauen arbeiten gehen und die Sphäre des Privaten verlassen. Die gesellschaftliche Angst der „Vermännlichung der Frauen“ und der „Verweiblichung der Männer“ ist groß. Der „kleine Unterschied“ darf doch nicht aufgelöst werden, wird mit größter Selbstverständlichkeit immer wieder runter gebetet. In ihrem nachfolgendem Buch „Das Arche Noah Prinzip“ ruft Herman zur Rettung der angeblich orientierungslosen Gesellschaft durch die Familie auf. Gesellschaftliche Probleme wie hohe Scheidungsraten, verwahrloste Kinder, gewaltbereite Jugendliche oder gar das Aussterben der armen Deutschen könnten durch die Rettung der Familie behoben werden. Diese Rettung, wir ahnen es bereits, ist ihrer Meinung nach nur dadurch zu erreichen, dass Frauen und Männer ihre angeblich natur- und gottgewollten Rollen einnehmen.

Selbstbestimmt und Fremdbetreut

Wenn über Frauen in der Öffentlichkeit diskutiert wird, geht es oftmals um ihre Rolle als Mütter. So auch wieder letztes Jahr: Die Kita-Debatte, welche Anfang 2007 von Ursula von der Leyen, jetzige Familienministerin, ausgelöst wurde, diskutierte die Anhebung von Krippenplätzen. Von der Leyen begründete ihre Forderung damit, dass junge Frauen nicht die Möglichkeit hätten, Jobangebote wahrzunehmen, weil sie keinen Krippenplatz bekommen würden. Die Verantwortung für Kinder wurde in der Diskussion den Müttern zugeschrieben, Väter kommen in ihr nicht vor. Von der Leyen wurde unter anderem von Christa Müller für ihre Positionen angegriffen, die, als Vertreterin der Linkspartei, die Familie als Dreh- und Angelpunkt für Frauen verteidigt. Christa Müller sprach sich gegen mehr Kitaplätze aus, da Kinder in Kitas „fremdbetreut“ würden: „Frauen haben die gesellschaftlich unverzichtbare Aufgabe Kindererziehung zu übernehmen.“ Müller kritisiert ebenfalls, dass durch die Unterordnung der Familie unter die Ökonomie ein Werteverfall einhergehe. Die Werte, die Christa Müller hier anspricht, reproduzieren konservative Frauen- und Männerbilder. Die Frau hat demnach die Aufgabe, „das Private“ zu organisieren, wohingegen der Mann für „das Öffentliche“ zuständig ist. Dass von der Leyen mit ihren Positionen kein „modernes“ Frauenbild entwirft, wird klar, wenn die Forderung nach mehr Krippenplätzen vollständig gelesen wird: Es geht ihr darum, die Geburtenrate zu steigern; die Kitaplätze sollen ein Anreiz für Frauen sein, trotz beruflicher Karrierebestrebungen Kinder zu bekommen. Dem Mangel an deutschem Nachwuchs soll somit entgegengewirkt, die deutsche Wirtschaft gestärkt werden. In ihrer Argumentation ist die Nation der Bezugsrahmen, zu dem die deutschen Frauen ihren Teil beitragen sollen.
Es ist immer wieder erstaunlich, dass es so großen Widerstand für eine Selbstverständlichkeit gibt, die die Schaffung einer Möglichkeit der Vereinbarung von Beruf und Familie für Frauen sein sollte. Die gesellschaftliche Realität in Deutschland ist eben so konservativ, wie die Frauenbilder, die sie verteidigt.

Wie viel Schönheit darf’s denn sein?

Weiblichkeit ist in seiner westeuropäischen Konzeption mit der Vorstellung von Schönheit und Körperlichkeit eng verbunden. Das heißt auch, dass Frauen häufig ihre gesellschaftliche Position über ihre Schönheit gewinnen. Diese Reduzierung der Frauen auf ihre Körper und das Schönheitsideal der schwachen, hilfsbedürftigen Frau stehen im Konflikt mit den Rollenerwartungen an Politikerinnen. Das Bild des Politikers scheint gänzlich entkörpert, im Mittelpunkt stehen seine Taten und nicht sein Äußeres. In der Politik sind Eigenschaften wie Durchsetzungskraft, Rationalität und Verantwortungsbewusstsein, die hauptsächlich männlich konnotiert sind, wichtiger. Durch die zunehmende Medialisierung und vielleicht auch den Anspruch der Frauen, hat sich dies etwas verschoben. Aber auf keinen Fall werden Männer in der Politik wegen ihrer Hässlichkeit kritisiert. Bei Frauen wird gerne auf das Äußere Bezug genommen. Das zeigen Ausdrücke wie „die schöne Landrätin Pauli“ oder „Sahra Wagenknecht ist das schöne Gesicht der Linken“. Auch wenn Frauen nun seit 90 Jahren in Deutschland das aktive und passive Wahlrecht haben, so bleiben Frauen immer noch das „Andere“, die Ausnahme in der „Männersache“ Politik. Politikerinnen müssen sich also den patriarchalen Regeln der Politik anpassen, um darin zu bestehen. Für Frauen gilt es, eine gesellschaftlich anerkannte Rolle auszuloten, die nicht zu weiblich ist, da dann die Politikerin nicht ernst genommen wird, aber auch nicht zu männlich, da dann der Vorwurf der Unweiblichkeit folgt. Ziel ist es, in ihrer Weiblichkeit ernst genommen zu werden. Dieses Einpendeln kann man gut am Beispiel von Merkel sehen. Früher wurde ihr immer der Vorwurf gemacht, sie wäre zu unweiblich, als Physikerin, mit kurzen Haaren, ungeschminkt und nachlässig gekleidet. Besonders ihre Frisur wurde kritisiert. Lange hat die deutsche Öffentlichkeit gebettelt, dass sie sich doch mal eine bessere Haarschnitt zulegen sollte und jetzt geht sie zum Starfriseur und hat sich somit einer Schönheitsforderung angepasst und auch einer Vorstellung von gepflegter Weiblichkeit. Seit dieser Anpassung wird nicht mehr soviel über ihr Äußeres gesprochen. Merkel hat zur Normalisierung der Rolle einer Politikerin beigetragen.
Wem dieser Spagat zwischen Weiblichkeit und Politik nicht geglückt ist, ist Gabriele Pauli. Sie hat mit einer sexualisierten Weiblichkeit kokettiert, die in der Gesellschaft eigentlich sehr anerkannt ist, jedoch in der Politik verpönt. Durch die Bilder in der Park Avenue hat sie sich in der öffentlichen Wahrnehmung der Rolle der „Prostituierten“ angenähert, die auf der gesellschaftlichen Skala der Seriosität ganz unten steht. Die Aufnahmen in dem Hochglanzmagazin, betitelt mit „St. Pauli“, zeigen Pauli unter anderem in Latex-Handschuhen und einer Gesichtsmaske. Diese Bilder haben in den politischen Parteien, besonders in der CSU, eine Welle der Empörung ausgelöst. Ihr wurde Unseriösität und indiskutables Verhalten vorgeworfen, wodurch sie keine Chance auf ein höheres Amt haben würde.
Die sexualisierte Weiblichkeit, die in anderen Bereichen wie Film- und Musikbusiness die Prominenz und Achtung vieler Frau steigert, hat in der Politik mit zu Paulis Abstieg beigetragen. Für Frauen gibt es in der Politik und Wirtschaft nicht so viele Rolemodels, wie man als mächtige und erfolgreiche Frau auszusehen und sich zu verhalten hat. Es gibt nicht nur Anzug und Smoking, sondern viele Möglichkeiten ins Fettnäpfchen zu treten.

Zum Schluss

Die Reaktionen auf Politikerinnen bzw. ihre Forderungen zeigen, dass die Bundespolitik keine Ausnahme in der Gesellschaft bildet, sondern dass Frauen dort genauso sexistischen Rollenerwartungen ausgesetzt sind. Eine Steigerung der Präsenz von Frauen in der Politik bedeutet eben nicht, dass sich unemanzipatorische Frauenbilder ändern. Angela Merkel als Bundeskanzlerin täuscht nur darüber hinweg, wie schlecht Frauen in anderen Feldern gestellt sind. Leider geht es in den Debatten mehr um Frauenrollen als um Emanzipation. Erschreckend ist, wie hartnäckig sich die Vorstellungen über die angebliche natürliche Differenz von Männern und Frauen halten. Auch wenn Frauen in männlich konnotierte Bereiche vordringen, wird ihnen doch nur der ihrer Weiblichkeit entsprechende Platz eingeräumt, ohne dass sich an dem Geschlechterverhältnis strukturell etwas ändert. An herkömmlichen Rollenbildern wird festgehalten. Die Feststellung, dass „doch schon alles erreicht“ sei und dass Frauen alle Möglichkeiten offen ständen, individualisiert die Verantwortung für die Geschlechterhierarchien. „Ihr seid doch selber Schuld, wenn ihr Kinder bekommt – und das mit der Karriere nicht trotzdem hinkriegt“, führt uns nicht zuletzt die Familienministerin vor. Von einem Backlash kann insofern die Rede sein, als das wieder auf alte Rollenmodelle zurückgegriffen wird. Die Emanzipation der Frau wird als gescheitert erklärt und als Ausweg werden als erstes der Herd und die Kinder ausgerufen. Bis auf subkulturelle Randerscheinungen kann man in der Öffentlichkeit keine Indizien dafür finden, dass Gleichberechtigung oder die Dekonstruktion der Geschlechterrollen angestrebt wird.

Ein Antisexismusbündnis, was soll das eigentlich sein?

vom Antisexismusbündnis Berlin

Ein Antisexismusbündnis, was soll das eigentlich sein?

Marlene: Im Grunde kann ich da erst mal wenig Überraschendes antworten: Wir sind eine Vernetzung von Berliner Gruppen aus verschiedenen politischen Teilbereichen, die versuchen, kontinuierlich zu den Themen Sexismus und sexuelle Gewalt zu arbeiten.

Frank: Wir wollen kein Bündnis sein, das dem Rest der Welt auf die Finger schaut und hier und da mal mit der Moralkeule schwingt. Kann aber schnell passieren, deswegen versuchen wir, grob gesagt, einfach unser Ding zu machen. Im Prinzip sind wir ja eh keine Instanz für nichts.

Judy: Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht immer. Es gibt schon Vorfälle oder aktuell brisante Debatten, in denen wir dann durchaus mal Position beziehen oder Positionen unterstützen. Grundsätzlich ist das einfach ein Feld, das wir immer wieder diskutieren: Wie viel mischen wir uns ein oder wo sehen wir Handlungsbedarf? Vorrangig wollen wir allerdings schon mit eigenen Themen in die Öffentlichkeit treten.
(mehr…)

AS.ISM_3 RELEASE!

Strike! Eine neue Broschüre des Antisexismusbündnis Berlin ist draußen. Mit der Unterstützung zahlreicher Gruppen haben wir eine drittes AS.ISM-Heft herausgeben können. Und nach dem ganzen Stress wollen wir jetzt erst mal feiern und zwar am kommenden Freitag mit euch in der Köpi.

AS.ISM_3 RELEASE

freitag // 25.7 // köpi // 23h

::::bitchbrothers::::fischer+skamrahl::::

ReleasePartyFlyer_hinten
ReleasePartyFlyer_vorn

(mehr…)