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„NEIN heißt NEIN“-Plakate wieder da!

Es gibt wieder Plakate in englisch und deutsch. Zu bestellen unter antisexism@freenet.de.

25. 02. 19h Wien // Veranstaltung des asb.berlin

Die Diskussion um Sexismus und sexuelle Gewalt in der Linken hat Trendphasen und dann wieder eine schwächere Konjunktur. Nicht selten hängt Aufschwung und Abstieg der Debattenfreudigkeit mit einem aktuellen Fall von Sexismus oder sexueller Gewalt zusammen. Jedoch zeigt sich dabei immer wieder, dass diese Auseinandersetzungen einer relativ großen Unsicherheit aufgrund fehlender politischer Standarts gegenüberstehen. Fernab dieser konkreten Aufhänger wollen wir deshalb grundsätzlich über eine antisexistische Praxis diskutieren.

Das Antisexismusbündnis Berlin ist ein Zusammenschluss mehrerer regionaler Gruppen, die seit nun mehr vier Jahren versuchen den Themenkomplex Sexismus und sexuelle Gewalt kontinuierlich als gleichwertiges Diskurs- und Praxisfeld in der Linken zu etablieren.
Einige Vertreterinnen des Bündnisses wollen heute das ASB und ihre neue Broschüre vorstellen und sich mit euch über eine antisexistische Politik, Betroffenenunterstützung und den status quo austauschen. Dabei soll es aber auch um einen Erfahrungsaustausch antisexistischer Praxen in linken Räumen gehen; welche Probleme dabei immer wieder auftauchen, welche Strategien im Umgang damit möglich sind und wie gegen hartnäckige und verkrustete sexistische Strukturen angekämpft werden kann.
Da mit Sicherheit auch ihr zu diesem Thema aus einem großen Erfahrungsschatz schöpfen könnt, freuen wir uns auf eine interessante Diskussion.

mittwoch // 25.02. // 20h // que[e]r // Wipplingerstrasse 23 // Wien

Feministischer Salon – Montag, 08.12.08, 19.30

Feministischer Salon
Selbstbestimmung und radikale Gesellschaftskritik?
Zur Aktualität des Kampfes um den §218
Montag, 08.12.08, 19.30 Uhr
WirrWarr, Dieffenbachstr. 36, 2.HH
U8 Schönleinstrasse

Der Kampf um das Recht auf Abtreibung hat in den 70ern viele Frauen bewegt und auf die Straße gebracht – Die „Wir haben abgetrieben!“-Kampagne wird sogar oft als Beginn der Neuen Frauenbewegung wahrgenommen. Aus welchen Diskussionen hat sich damals die Fokussierung auf den §218 ergeben? Welche Gesellschaftsentwürfe lagen den Aktionen zu Grunde, auch gerade in Abgrenzung zu einer bürgerlichen Interessenvertretung? Welche Bezüge zu anderen Themen der Frauenbewegungen gab es, etwa zur Hausarbeitsdebatte? Welche Bündnisse wurden geschlossen?

Wie stellt sich eine linke emanzipatorische Frauenbewegung eine Gesellschaft für alle vor – jenseits des Individualismus der neuen F-Klasse?
Im Gespräch mit Gisela Notz wollen wir diesen Fragen nachgehen, um so auch die Situation heute zu beleuchten.

Gisela Notz ist Sozialwissenschaftlerin, Autorin (u.a. „Warum flog die Tomate? Die autonomen Frauenbewegungen der 70er Jahre“) und Vorsitzende von pro familia e.V.
ak linker feminismus

Demo für mehr Respekt in Berlin-Hellersdorf

Demo für mehr Respekt in Hellersdorf

Angriff in Hellersdorf:
Am Montagabend, den 27.10., wurden am U-Bhf. Kaulsdorf-Nord zwei Menschen zu Boden geschlagen, getreten und beschimpft, weil sie offenbar nicht einem heteronormativen Weltbild entsprochen haben!

Hintergrund: u.a.
www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/lesben-mit-farbe-attackiert/
(TAZ vom 29.10.2008)

Dass dies kein Einzefall ist, muss nicht lang erklärt werden. Auch Hellersdorf reiht sich in die homophobe Normalität ein: So wurde erst am 11.05.2008 eine bisexuell-orientierte Frau an der Kreuzung Cecilienstraße/Lilly-Braun-Straße am selben Ort von drei Unbekannten angegriffen. Die Drei, unter denen sich eine mit Thor Steinar bekleidete Person befindet, bezeichneten die Betroffene zunächst als “Frauenklauerin” und als “Lesbe”. Im Anschluss schlugen sie Ihr ins Gesicht und traten auf sie ein. Die Angegriffene konnte sich in eine nahegelegene Kneipe flüchten. Maneo registriert laut dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg jährlich zwischen 200 und 300 Fälle. Wie hoch die Dunkelziffer solcher Angriffe ist, vermag wohl niemand zu sagen. Bände spricht jedoch die Einschätzung des Schwulen Überfalltelefons Berlin, wonach 90 Prozent der Taten von den Betroffenen nicht angezeigt würden.
Wir alle sind aufgerufen ein Zeichen gegen Diskriminierung jeglicher Art zu setzen!!! Denn wir wollen und können nicht dulden, dass Menschen, die nicht der Heteronormativität entsprechen, diskriminiert und attackiert werden!

Treffpunkt: Samstag, den 1.11.08 – 14 Uhr – U-Bhf. Kaulsdorf­Nord (U 5)
Homo- und Transphobie entgegentreten!

Pressemitteilung des Queer-Referates des AStA der ASFH: asta.asfh-berlin.de/index.php

Pro-Life und christlich-fundamentalistische Abtreibungsgegner_in

08.10.2008, 19.00 Uhr, K9 (Kinzigstraße 9, Berlin-Friedrichshain)

In einigen Staaten sind Pro-Lifer wahrnehmbarer Teil gesellschaftlicher Debatten. Ihr Handeln hat dort einen negativen Einfluss auf das Leben und Wohlergehen von Schwangeren, zudem üben sie einen wahrnehmbare Wirkung auf politische Debatten um und die Praxis von Schwangerschaftsabbrüchen aus. Sarah Diehl, Autorin, Journalistin und Herausgeberin (u.a. “Deproduktion: Schwangerschaftsabbruch im internationalen Kontext”) und Filmemacherin (Abortion Democracy), wird über die Themen, ideologischen Hintergründe, organisationellen Vernetzungen und das Vorgehen von Pro-Lifern im internationalen Kontext berichten.

mehr: http://no218nofundis.wordpress.com/

Preview: Abortion Democracy

17.09.08 19.00 Uhr K9 (Kinzigstr. 9, Berlin-Friedrichshain)

Um unsere Proteste gegen den Aufmarsch der christlich-fundamentalistischen Abtreibungsgegner_innen inhaltlich zu verorten, zeigen wir eine Preview des Films Abortion Democracy (in englischer Sprache) von Sarah Diehl über die Realität von Schwangerschaftsabbrüchen in Polen und Südafrika. In Südafrika wurden nach der Apartheid Schwangerschaftsabbrüche entkriminalisiert, während in Polen nach 1990 Abtreibungen kriminialisiert wurden. Zudem werden wir kurz über den christlichen Fundamentalismus in Deutschland berichten.

http://www.abortion-democracy.de/

Kundgebung: “Smash §218 // Gegen christlichen Fundamentalismus”

Kundgebung: “Smash §218 // Gegen christlichen Fundamentalismus”
Am 20.09.2008, 11.30 Uhr auf dem Platz vor dem Roten Rathaus
(Berlin, Neptunbrunnen)

Für den 20. September 2008 mobilisieren der Bundesverband Lebensrecht und einige andere Organisationen zu einem „Schweigemarsch” mit dem Titel „1000 Kreuze für das Leben”. Wir rufen dazu auf, diesem laut und mit vielfältigen Aktionen entgegenzutreten.

Die beteiligten Gruppen dieses „Schweigemarsches” bezeichnen sich als Lebenschützerinnen und Lebensschützer, bekannter sind sie unter „Pro Life”. Dabei geht es ihnen auf der Grundlage eines christlich-fundamentalistischen Weltbildes um das Verbot und die Bestrafung von Abtreibungen. Sie sprechen allen Frauen das Recht ab, über ihren Körper selbst zu bestimmen. Sie lehnen jeden Schwangerschaftsabbruch als „vorgeburtliche Kindstötung” ab. Statistisch unhaltbare Angaben über die Anzahl der Abtreibungen in Deutschland sowie die von Lebensschützer_innen erfundene Krankheit „Post-Abortion-Syndrom” sollen Frauen moralisch unter Druck setzen und einschüchtern, sowie den Staat dazu bringen, die Möglichkeit zum Schwangerschaftsabbruch weiter einzuschränken.

Im Gegensatz zu einer verbreiteten Meinung ist Schwangerschaftsabbruch in Deutschland weiterhin eine Straftat, die nur unter bestimmten Voraussetzungen nicht strafrechtlich verfolgt wird. So z.B. wenn Embryo oder Frau medizinisch bzw. gesellschaftlich nicht den körperlichen oder geistigen Normen entsprechen – diese Regelung kann als Form der Eugenik angesehen werden. Nachdem 1995 der §218 im Strafgesetzbuch letztmalig neu geregelt wurde, brach die Debatte um Abtreibung in Deutschland ab. Wir fordern hingegen weiterhin, dass jede Frau selbst über einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden kann. Wir wollen eine Gesellschaft, in der Abtreibungen kein gesundheitliches, rechtliches oder ökonomisches Problem für Frauen darstellen und ohne Eingriff oder die Belehrung des Staates und der Angst vor dem moralischen Stigma zugänglich sind.

Die so genannten Lebensschützer_innen sind Teil des christlichen Fundamentalismus in Deutschland. Wie alle religiösen Fundamentalismen arbeiten auch sie hin auf eine gesellschaftliche Dominanz ihrer Dogmen, etwa Familienzentriertheit, Heterosexualität, Schicksals- und Obrigkeitsergebenheit. Ihr diesjähriger Auftritt in Berlin gewinnt auch deshalb an Relevanz, weil er von der im Januar 2008 gegründeten AUF-Partei (Arbeit, Umwelt und Familie) unterstützt wird. Sie will mit Großkampagnen nach dem Vorbild christlicher Fundamentalist_innen in den USA, Südamerika und Afrika auftreten. In den USA beinhalten die „Kampagnen” unter anderem Blockaden von Kliniken, aber auch gewalttätige Übergriffe gegen sowohl Ärzt_innen als auch Frauen, die abtreiben wollen. Auch in Deutschland und Österreich werden Frauen, die Abtreibungskliniken aufsuchen, heute bereits durch „Gehsteigberatung” eingeschüchtert und bedrängt und Ärzt_innen als „Massentöter” diffamiert. Der „Schweigemarsch” in Berlin wird der erste öffentliche Auftritt für die AUF-Partei sein.

Weder christliche Moralvorstellungen noch staatliche Zugriffe dürfen über das Leben und die Körper von Menschen bestimmen.

Deshalb rufen wir dazu auf, die Inszenierung der sog. Lebensschützer_innen als „Schweige- und Trauermarsch” (dunkle Kleidung und weiße Kreuze) zu stören (bunte Kleidung und emanzipatorische Sprüche).

Aufrufer_innen:

a.g. gender-killer, ak linker feminismus, ANA – autonome Antifa Neukölln, Antifaschistisches Bündnis Süd-Ost [ABSO], Antisexismusbündnis Berlin, Antisexistische Praxen-Konferenz II, f.a.q. antisexistischer Infoladen, feministische FrauenLesbenListe FU Berlin, Forschungsgruppe Christlicher Fundamentalismus, Frauen- und Queer-Referate AStA TU Berlin, GAP Berlin, LISA 2 Marburg, LAK Shalom Berlin der Linksjugend [’solid], pro familia (Landesverband Berlin), Schwarzer Kanal

Den Aufruf zum ausdrucken und weiterverteilen findet ihr wie alle weiteren Informationen bei: http://no218nofundis.wordpress.com/

gender on speed

von crossover

Sexismus // die Funktionen der Geschlechter // und die Hoffnung auf einen gemeinsamen Kampf

Sexismus – ein Herrschaftsverhältnis, eine strukturelle Ungerechtigkeit, ein Ausbeutungs- und Gewaltverhältnis: Diese gesellschaftliche Struktur privilegiert Männer und unterwirft Frauen. Doch auch in Bezug zu anderen Geschlechtern und Sexualitäten (Lesben, Trans, Intersex, Bis) wirkt Sexismus im Zusammenspiel mit Homosexuellenfeindlichkeit und Transfeindlichkeit.
Heteronormativität, also die Norm, die Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität als hegemoniale Kraft hervorbringt, bildet die Grundlage dieses patriarchalen Systems. Aus ihr leiten sich die Geschlechter und ihre verschiedenen Funktionen ab. Die Rollen im herrschenden System folgen unterschiedlichen Logiken und ergeben ein komplexes Zusammenwirken. Es ist nach wie vor schwierig, diese miteinander zu denken und zu bekämpfen. Gerade das Bewusstsein von Transfeindlichkeit und die Verstümmelung und Unterdrückung von Intersexuellen ist gesellschaftlich sehr marginal. Mit Blick auf die unterschiedlichen Logiken ist es sinnvoll, beim Sprechen über Sexismus den Kontext mit zu nennen. Dadurch wird sichtbar gemacht, dass noch andere Herrschaftsstrukturen im Zusammenspiel mit Sexismus wirken, um die patriarchale Geschlechterordnung herzustellen. Eine differenzierte Betrachtung ist angesagt und eine konkrete Benennung des Kontextes.
Für eine differenziertere Benennung, macht sich in einigen Diskursen die Abkürzung FLTIBs breit. Sie steht für FrauenLesbenTransIntersexBis. Ob diese Benennung nun die Beste ist, weiß ich nicht, doch es wäre einen Versuch wert, um aus dem alleinigen Sprechen von und über Frauen heraus zu kommen.

Doch was hat es auf sich mit diesen verschiedenen Strukturen? Ganz wesentlich ist wie gesagt die Heteronormativität. Die Gesellschaft erzieht erst mal keinen Menschen zur Lesbe oder zu einem transsexuellen Menschen, die Gesellschaft möchte Frauen und Männer und zwar heterosexuelle Frauen und heterosexuelle Männer. So ist die Erziehung und auch der ganze Mainstream davon geprägt. Vieles davon ist sehr plakativ, doch das meiste ist sehr subtil und frisst sich tief in unser Denken und Fühlen, in unsere Körper hinein. Wenn das Kind fragt: Woher die Babys kommen? Würde ihm kaum jemand die Geschichte von dem Samen in der Samenbank erzählen, welches im Reagenzglas mit der Eizelle zusammengebracht wurde oder von der lesbischen Mutter, die sich den Samen in die Scheide spritzt. Denn natürlich braucht es für Babys Mann und Frau, Penis und Vagina und in Folge dann auch Vater und Mutter. Die vorherrschende zweigeschlechtliche Heteronormativität hat viele Selbstverständlichkeiten, z.B. die Damen- und Herrenabteilungen in den Kaufhäusern. Da muss eine_r erst mal draufkommen sich über diese Zuteilung hinweg zu setzen und in beiden Abteilungen nach dem neuen Pulli zu suchen und selbst dann, sind der freien Auswahl noch Grenzen gesetzt, wenn es die coolen “Männer”schuhe nicht in “Frauengröße” 38 gibt und das bauchfreie “Damen”shirt bei Größe 40 aufhört.

So sind die herrschenden Strukturen darauf aus, Frauen und Männer zu schaffen und der Sexismus besteht darin, dass die Frauen ganz bestimmte untergeordnete Aufgaben erfüllen sollen: 1) Die unbezahlte Reproduktion zu besorgen, welche den Mann pflegt, versorgt und aufpäppelt, die Kinder großzieht, die Familie zusammen hält und damit eine Basis der Gesellschaft gewährleistet und deren Fortbestand. Diese Arbeit ist nicht nur unbezahlt, sondern auch noch unterbewertet. Im Verhältnis zu Lohnarbeit mangelt es an gesellschaftlicher Anerkennung für reproduktive Arbeit. (Die Frau soll all das nämlich aus Liebe tun.) 2) Dem Mann sexuell zur Verfügung zu stehen. Denn über die heterosexuelle Sexualität konstituiert sich der Mann immer wieder aufs Neue zum Mann. Er findet Bestätigung in seinem Mannsein, welches gleichgesetzt wird mit Manneskraft, Potenz und Aktivität. Daran ändert auch die selbstbewusstere Sexualität von Frauen noch nicht viel, die als neuer hipper Diskurs in vielen Büchern und Talkrunden besprochen wird. 3) Weiter bilden die Frauen die Reservearmee der kapitalistischen Produktion. Immer wenn Institutionen oder Produktionen über die Männer hinaus Arbeitskraft benötigen, können sie auf die Frauen zurückgreifen, wie z.B. in den 70er Jahren, als es in der BRD einen erhöhten Arbeitskräftebedarf gab und dieser im unteren und mittleren Lohnniveau vor allem durch Migrant_innen, u.a. aus der Türkei und im Akademischen Bereich durch die verstärkte Zulassung von Frauen an den Universitäten gesättigt wurde. 4) Die Frau als Ventil für Gewalt. Frauen werden gedemütigt, geschlagen und vergewaltigt. Es wirkt systemstabilisierend, wenn Unzufriedenheit, Frust und Gewalt sich nicht gegen die Herrschenden entlädt, sondern gegen untergeordnete Gruppen. Selbst wenn Mann ganz unten ist, kann er immer noch Frauen unterdrücken. (Dies bezieht sich auch auf Migrant_innen, Juden, Obdachlose, sozial schlechter Gestellte usw.)

Diese vier Funktionen mögen erst mal recht rigoros klingen, sind wir doch heutzutage viel aufgeklärter und emanzipierter unterwegs. Doch die Freiheiten und Veränderungen mussten sich hart erkämpft werden und sie betreffen oft nur die Mittelschicht. Strukturen, Räume und Beziehungen mit weniger Sexismus wurden durch jahrelangen Widerstand geschaffen und der Backlash ist allgegenwärtig. Natürlich studieren immer mehr Frauen und es gibt die Möglichkeit, Karriere zu machen. Doch zum Beispiel im Bereich Mathematik gibt es 36% weibliche Mathematikstudent_innen und nur 16% weibliche Absolvent_innen und nur 2% weibliche Doktorant_innen, die Anzahl der Frauen nimmt demnach auf der Karriereleiter rapide ab und Frauen verdienen immer noch 20% weniger für die gleiche Arbeit als Männer. Auch im Bereich der Reproduktion wurde sich viel erkämpft, zum Beispiel die Kinderläden und die Rollenverschiebung, so dass mittlerweile immer mehr Männer Elternzeit nehmen und für die Kinder da sind. Doch auch hier gibt es Klassenunterschiede und von gleichberechtigter Kinderbetreuung ist diese Gesellschaft noch weit entfernt. Noch schlechter steht es mit der Gewalt. Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat in den letzten Jahrzehnten nicht abgenommen. Im Durchschnitt wird immer noch jedes 3. Mädchen sexuell missbraucht, jede 7. Frau vergewaltigt und jede 7. Frau erfährt häusliche Gewalt.

Die Ausprägung dieser Funktionen, welche die Frau erfüllt, ist kulturell, geographisch und historisch unterschiedlich und kann sich je nach gesellschaftlichen, kapitalistischen und patriarchalen Notwendigkeiten verschieben. Gerade sind Frauen in einigen Berufssegmenten viel gefragter, doch das entscheidende ist ursächlich nicht, wie gut es den Frauen gerade geht oder wie unterdrückt sie gerade sind, sondern, dass an den gesellschaftlichen Kategorien Mann und Frau weiter festgehalten wird und sie weiter Grundlage von Beherrschung sind und das diese Beherrschungsmechanismen in jeder Zeit angewandt und hergestellt werden können, solange sie nicht auf entschiedenen Widerstand und Dekonstruktion stoßen. D.h. die gegenwärtige Situation, dass es auch viele Frauen gibt, die einen guten Job haben und die hohe gesellschaftliche Positionen ausfüllen, kann sich auch ganz schnell wieder ändern, wenn zum Beispiel gesellschaftliche oder kapitalistische Notwendigkeiten einen anderen Bedarf erzeugen und dieser mit patriarchaler Macht durchgesetzt wird. Hier hilft nur Widerstand. Der antisexistische, antipatriarchale, feministische Kampf stellt sich seit vielen Jahren gegen die hegemonialen patriarchalen Strukturen. Emanzipationsbewegungen, die Frauenbewegung, die Lesbenbewegung, die Trans- und Intersexuellen mussten die emanzipativen, gesellschaftlichen Veränderungen, von denen wir heute profitieren, hart erkämpfen. Dies beinhaltet auch die heute in Teilen verbesserte rechtliche Situation und die verbesserte gesellschaftliche und wirtschaftliche Stellung von FLTIBs.

Während Frauen zur Erfüllung ganz bestimmter Aufgaben zugerichtet werden, bringen Lesben, Transsexuelle, Intersexuelle und Bis diese herrschenden Strukturen “nur” durcheinander. Sie bedrohen das vorherrschende System und die zugewiesenen Aufgaben und stellen die heterosexuelle Zweigeschlechtlichkeit in Frage. Auf der anderen Seite stabilisieren sie diese auch wiederum, indem sie als Anderes, als Gegenbild des Vorherrschenden herhalten. Denn das vermeintlich Normale kann sich nur in der Abgrenzung zu dem Anderen konstituieren. Während LTIBis in einigen Gesellschaften ein bestimmter Platz zugewiesen wird, werden sie in anderen Gesellschaften gänzlich geleugnet. LTIBis darf es in einigen Gesellschaften gar nicht geben und ein Outing wird verfolgt, zum Teil mit Gefängnisstrafe oder sogar mit der Todesstrafe, wie der Steinigung. Die gesellschaftliche Ächtung und Herabwürdigung soll den Betroffenen immer wieder zeigen, dass ihr Sein, ihre Sexualität und ihr Lebensstil nicht erwünscht sind und es soll andere davon abhalten, sich entgegen der Heteronormativität zu verhalten. Somit sind die trans-, intersex- und homosexuellenfeindliche Strukturen auch noch mal andere als beim Sexismus. Sie sind geprägt von: 1) Der Konstruktion von Körpern. Bei Intersexuellen gipfelt diese in erzwungenen geschlechtlichen Anpassungsoperationen (10% der Neugeborenen haben Geschlechtsmerkmale, die nicht in das zweigeschlechtliche Raster passen). Die Geschlechtsteile von Säuglingen werden, teilweise ohne die Eltern darüber zu informieren, umoperiert. Diese Verfahren der Rekonstruktions- und plastischen Chirurgie beinhalten auch Gentests und hormonelle Therapien. 2) Der Konstruktion von sexuellen Beziehungen. Homosexuelle und bisexuelle Beziehungen werden als Ausnahme, abweichend von der Norm definiert. Auch wenn sie in einigen Bereichen anerkannt sind, so werden sie noch lange nicht als selbstverständlich und gleichberechtigt gesetzt. (Kleine Mädchen sollen, wenn sie groß sind, immer noch Jungs heiraten und nur in Ausnahmen werden einige lesbisch. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder Mensch frei seine_ihre Sexualität entwickeln kann und diese lebt mit wem er_sie will.) 3) Der Konstruktion des Anderen, des vermeintlich Unnatürlichen. Denn nur in der Benennung des angeblich Unnatürlichen, kann sich ein angeblich Natürliches mit allen Biologismen hervorheben. Ein Mann-Frau-Verhältnis oder Mann-Frau-Sexualität könnte gar nicht als normal und natürlich konstruiert werden, wenn es nicht Beziehungen und Verhältnisse gebe, von denen mensch sie abgrenzen könnte. Ebenso die Konstruktion von männlichen und weiblichen Körpern und Identitäten, um sie zu garantieren wird zum Beispiel die freie Wahl des Geschlechts und des Vornamens beschränkt, sowie Geschlechtsumwandlungen und die rechtliche Gleichstellung, unter anderem im Familienrecht bei der Ehe und der Adoption von Kindern.

Während also Frauen konstruiert werden, um bestimmte untergeordnete Aufgaben zu erfüllen, sollen LesbenTransIntersexBis und Queers begrenzt und kontrolliert werden, um die Heronormativität nicht zu gefährden. Auch hier gilt, dass die gesellschaftlichen Bedingungen in Folge der jahrelangen Kämpfe emanizipativer Bewegungen im Westen gegenwärtig verstärkt liberaler werden. Dies wird auch begünstigt durch veränderte Kapitalinteressen, welche LTIBis als “Humanressources” und “das Andere” als Kreativfaktor entdeckt haben. Vielfalt und Verschiedenheit haben mittlerweile einen kapitalrelevanten Effekt. Doch auch diese Entwicklungen orientieren sich an Kapitalinteressen und können jeder Zeit wieder in andere Bahnen gelenkt werden, wenn dem nicht mit entschiedenem Widerstand begegnet wird.

Männer profitieren von sexistischen Strukturen. Sie erhalten 1) Anerkennung, Aufwertung und Macht. 2) Materielle Vorteile. 3) Sexuelle Vorteile. 4) Ein Zugestehen von Gewalt- und Machtausübung (das Gewaltmonopol liegt demnach nicht allein beim Staat, sondern inoffiziell gesellschaftlich geduldet auch immer wieder bei Männern). All diese Privilegien verschaffen Männern eine bessere persönliche und gesellschaftliche Position.
Doch innerhalb des Systems von Heteronormativität sind sie nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer, denn sie leiden auch unter den Rollenanforderungen und Männlichkeit versperrt ihnen auch viele Türen, bzw. Verwirklichungen jenseits von Geschlechtergrenzen.

Die Funktionen der Geschlechter sind demnach hierarchisch zugewiesen. Die hierarchischen patriarchalen und heteronormativen Strukturen wirken zusammen mit verschiedenen anderen Unterdrückungsstrukturen. Diese verflochtenen Machtstrukturen stellen im hegemonialen Diskurs Subjekte und die Verhältnisse zwischen den Subjekten her, welche die Machtstrukturen wiederum aufrechterhalten. An der Aufrechterhaltung dieses Systems wirken alle Geschlechter auf unterschiedliche Weise mit. Ebenso wirken Privilegien und Machtgewinn auf unterschiedliche Weise. Weiße Frauen stehen in vielen Aspekten strukturell über schwarzen Männern und profitieren von dieser Position. Ebenso wälzen Frauen des industriellen Nordens reproduktive Aufgaben auf migrantische Frauen ab (Kinderbetreuung, Pflege und Hausarbeit). Doch neben der Aufrechterhaltung der Strukturen werden diese auch immer wieder angegriffen und ins Wanken gebracht. Qua ihrer Rollen, waren und sind es FLTIBis, die die Frauenbewegung, FrauenLesbenbewegung, Transbewegung, Queerbewegung usw. erschufen und sich gegen Homosexuellenfeindlichkeit, Transfeindlichkeit und die patriarchalen Verhältnisse wehrten. Männer unterstützten diese Bewegungen nur in äußerst geringem Maße. Im Gegensatz dazu versuchten Männer eher den Kampf von FLTIBis lächerlich zu machen und zu vereinnahmen, bis auf einige Ausnahmen. Männer, die sich gegen patriarchale Strukturen stellen, begegnen der Schwierigkeit, dass sie nicht Teil des kämpfenden Subjekts FLTIBis sind und durch dieses nur bedingt eine Stärkung erfahren. Denn auf der anderen Seite sind sie Teil der Struktur Männlichkeit und können diese nicht einfach verlassen.
Den FLTIBis-Bewegungen und der marginalen antipatriarchalen Männerbewegung verdanken wir heute viele Verbesserungen und Veränderungen. Ob die Kraft des Widerstandes jedoch ausgereicht hätte, diese entgegen den Kapitalinteressen durchzusetzen, bleibt fraglich. So diente beispielsweise das Zulassen von Abtreibungen auch den veränderten kapitalistischen Anforderungen und den Anforderungen einer modernisierten, bürgerlichen Gesellschaft an Nachkommenschaft und Erziehung (von gut ausgebildeten und erzogenen Wunschkindern).

Transsexuelle und Intersexuelle Politiken gingen damals und auch heute noch neben und innerhalb der Frauen- und Lesbenbewegung unter. Mit dem Aufkommen des Dekonstruktionsansatzes haben sich Politiken entwickelt, die beabsichtigen, die Zweigeschlechtlichkeit und die heterosexuelle Norm zu dekonstruieren und damit auszuhebeln. Hier versucht sich Genderqueerness als Widerstandspraxis. Der Versuch der Herstellung von Körpern, die nicht instrumentalisiert werden können, ist damit eine widerständige Tat. Sie durchbricht die Instrumentalität der gesellschaftlichen Kategorien von Geschlecht und damit das Nutzbar-Machen von Männern und Frauen und versucht hier als Nutzloses Geschlecht und Nutzlos-Machen von Geschlecht zu wirken. Hier gilt es zu beachten, dass auch queere Körper vereinnahmt werden und damit die Heterosexuelle Matrix bekräftigen können.

Männern kommt im heteronormativen System eine Doppelrolle zu; zum einen profitieren sie erheblich von den Privilegien und Vorteilen, die ihnen ihre Geschlechterposition verschafft und diese Position stellen sie auch immer wieder aktiv her – zum Teil sehr brutal. Zum anderen werden auch sie zugerichtet und damit sind auch ihre Körper, Sexualitäten und Lebensweisen Zurichtungen und Zwängen unterworfen. Ihnen wird ebenso eine freie Entfaltung und Lebensentwicklung verwehrt. Dies wird begleitet von Phänomenen wie dem Nichtwahrnehmen der eigenen Gefühle, erhöhten Krankheiten und geringeren Lebenserwartung auf Grund des Überschreitens eigener Grenzen, bzw. von Verausgabung. Diese Zurichtung erlaubte es im Kapitalismus, die männliche Arbeitskraft verstärkt auszupressen. Weiter werden Männer ebenso durch Androhung von Gewalt, Abwertungen und Lächerlichmachens davon abgehalten, andere Wege, als die zugelassenen männlichen, heterosexuellen Wege zu gehen. Doch diese Zurichtungen im Feld Heteronormativität sind nicht zu verwechseln mit Sexismus. Sexismus bezeichnet die Ausbeutung und Nutzbar-Machung von Frauen. Männer sind in dieser Struktur die Privilegierten, die Profiteure und Täter.
Dass es in dem Herrschaftsverhältnis strukturell Privilegierte und Nichtprivilegierte und Täter und Betroffene gibt, heißt nicht, dass es nicht auch einzelne umgekehrte Verhältnisse gibt. Die Kennzeichnung eines Herrschaftsverhältnis beschreibt hier eine grundsätzliche Struktur und beinhaltet nicht die Aussage, dass alle Verhältnisse innerhalb dieser Struktur ihr in jedem Fall entsprechen. Das heißt zum Beispiel, es gibt Täter_innen und es gibt männliche Betroffene.

Im Widerstand gegen die herrschenden Strukturen stellt sich immer wieder die Frage, inwieweit dieser Kampf gemeinsam geführt werden kann oder inwieweit auch in Zukunft unterschiedliche Betoffenheiten unterschiedlicher Kämpfe bedarf. Die Genoss_innen, die einem in dem einen Kampf zur Seite stehen, können im anderen Kampf politische Gegner sein. Darüber lässt sich nur schwer hinwegtäuschen. Ein “all gender”-Kampf gegen Sexismus (also dem gemeinsamen Kampf aller Geschlechter) muss diese vielschichtigen Konfliktfelder immer wieder in den Blick nehmen, sich damit auseinandersetzen und diese verändern.

An einer Dekonstruktion der Geschlechter ist den einzelnen Geschlechtern demnach positionsbedingt unterschiedlich viel gelegen. Doch es könnten alle Geschlechter erkennen, dass die Konstruktion auf vielen Ebenen Verengung, Beschneidung, Zwang und Unfreiheit bedeutet.
Deswegen sollten wir Wege finden, gemeinsam die herrschenden Strukturen zu kippen!

Solidarität mit den freiheitsliebenden Menschen im Iran!

von Cosmoproletarian Solidarity

„Nicht nur jene, die im Gefängnis sitzen, sondern wir alle befinden uns in einem Gefängnis“ – Solidarität mit den freiheitsliebenden Menschen im Iran!

Das einzige „Verbrechen“ der beiden Schwestern Zohreh und Azar besteht darin, dass sie auf einem Videoband mit einem fremden Mann zu sehen sind. Keine Berührungen – selbst verbale Anschmeichelungen nicht – verzeichnet der Mitschnitt einer vom eifersüchtigen Ehemann einer der beiden Schwestern versteckt angebrachten Kamera. Lediglich die Anwesenheit eines fremden Mannes. In der Phantasie eines religiös verstockten Richters wurde daraus zwangsläufig „die Bildung eines Zentrums der Verdorbenheit.“ Zohreh erhielt unmittelbar nach dem Urteilsspruch im Gerichtshof 99 Peitschenhiebe, danach sollte ihr für fünf Jahre die „Freiheit“ entzogen werden, Azar wurde ebenfalls ausgepeitscht. Dies war im März 2007. In einem zweiten Gerichtsverfahren wurden die beiden Schwestern fünf Monate später – für dasselbe „Verbrechen,“ für das sie bereits ausgepeitscht wurden – zum Tode per Steinigung verurteilt. „Ehebruch als verheiratete Frauen“ lautet der Urteilspruch. Zohreh und Azar befinden sich immer noch in der Todeszelle des iranischen Mullah-Regimes.

Der iranische Klerikalfaschismus fasst jegliche individuellen Sehnsüchte als Hochverrat am islamischen Zwangskollektiv auf. Die islamische Gesetzgebung des Irans sieht für Frauen, die sich der Enge der Zwangsehe entziehen wollen, ebenso die Todesstrafe vor wie für gelebte Homosexualität. Anfang des Jahres hatte „Amnesty International“ darauf aufmerksam gemacht, dass Steinigungen weiterhin im Iran vollzogen werden. Männer werden bis zur Hüfte und Frauen bis unter die Brust im Sand eingegraben und dann von Steinen, die „nicht so groß sein dürfen, dass die zum Tode Verurteilte getötet wird, wenn sie von einem oder zwei Steinen getroffen wird, und auch nicht so klein, dass man sie nicht mehr als Stein ansehen kann“, wie es das iranische Gesetzt vorschreibt, beworfen, bis das letzte Wimmern verstummt ist. Tugendterror und Repressionen richten sich auch unmittelbar gegen jegliche oppositionelle Regung, die den Status Quo hinterfragt. Selbst für das Sammeln von „harmlosen“ Unterschriften räumt das Regime „lediglich“ eine beengte Zelle im Folterknast Evin ein. 34 Frauenrechtlerinnen der Kampagne „One Million Signatures Demanding Changes to Discriminatory Laws” wurden bisher verhaftet. Einige von ihnen werden vom Regime ohne Anklage und das Recht auf einen Anwalt seit Monaten festgehalten.

Doch die Friedhofsruhe, die das Regime herzustellen versucht, tritt nicht ein. Bei den Präsidentschaftswahlen im Juni 2005 weigerten sich den staatlichen Verlautbarungen zufolge 40 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme für einen der sieben vom Ayatollah Chamenei ausgewählten Kandidaten abzugeben, obwohl das Regime zuvor gedroht hat, dass Wahlboykott Hochverrat gleich käme und dieser wird im Iran bekanntlich mit dem Tode bestraft. Da die Teilnahme an Wahlen durch einen Eintrag im Ausweis bestätigt wird – also problemlos festzustellen ist, wer gewählt hat und wer nicht – zogen es somit viele Millionen Iraner/innen vor, dem islamischen Regime ihre pseudodemokratische Legitimierung zu verweigern anstatt ihr eigenes Leben zu schützen. Ein wahrhaft stiller Protest. Am 7. Dezember im vergangenen Jahr erhoben sich in Teheran über 2.000 Studenten zum Protest obwohl Polizisten und paramilitärische Schlägertrupps bereits im Morgengrauen alle umliegenden Straßen der Universität abgeriegelt hatten. Viele der Studentinnen tauschten auf der Demonstration ihr Hijab gegen ein Cap oder zogen den Hijab fast bis in den Nacken zurück. Das Regime sprach von „Krawallmacher“, die „durch die Beschaffung aufwieglerischer Bauteile wie Molotow-Cocktails und Handgranaten (…) Chaos und Aufruhr zu schaffen“ versuchten. Mehrere Dutzend Studenten/innen befinden sich immer noch im Gefängnis. Einer von ihnen, Ebrahim Lotfollahi, ist bereits an den Folgen der sadistischen Folter gestorben.

Der Widerstand der ungehorsamen Frauen im Iran hat Tradition. Bereits in den Jahren 1979 und 1980, als sich die islamische Kontrarevolution durchzusetzen drohte, demonstrierten hunderttausende Frauen gegen den Hijabzwang und religiöse Zwänge. In den kommunistischen und sozialrevolutionären Gruppierungen partizipierten viele Frauen. In den Gefängnissen des Mullah-Regimes wurden die Abtrünnigen nächtelang mit Koransuren beschallt und viele Frauen vor der Hinrichtung vergewaltigt, um zu verhindern, dass sie als mögliche Jungfrauen doch noch ins Paradies gelangen könnten. Die islamischen Kontrarevolutionäre zerschlugen die starken Arbeiterräte und verdichteten das despotische Schah-Regime zu einem faschistischen System, das alles was es nicht selber ist zu vernichten versucht.

Die Linke und der Iran

Bestürzend ist der Umgang derjenigen, die sich in Deutschland als die Linke begreifen, mit dem Iran. Während die einen in der US-amerikanischen Kriegsmaschinerie die Trägerin von Freiheit und Emanzipation erkennen wollen, fabulieren die anderen vom „antiimperialistischen Moment“ des iranischen Klerikalfaschismus. Der freiheitsliebende Teil der Bevölkerung des Irans, der seinen Protest gegen das Regime Tag für Tag zum Ausdruck bringt, wird weder von den einen noch von den anderen als mögliches Subjekt für fortschrittliche Umwälzungen begriffen. Der Identifizierungszwang gilt den Herrschenden, nicht – wie es doch die Essenz emanzipatorischer Politik sein sollte – den „Unglücklichen“, die sich erheben, um ihr eigenes Schicksal zu bestimmen. Somit werden die Menschen im Iran zu passiven, verantwortungslosen Geschöpfen entwertet, die andauernd „nur“ Opfer von Fremdbestimmung werden oder sich nach den US-amerikanischen Rosinenbombern sehnen. Die Hungerrevolten in Ägypten, Haiti und Westafrika zeigen, dass der globale Kapitalismus keine Fortschrittsperspektive für die Menschheit beinhaltet. Der kapitalistische Wahn, der sich gegenwärtig darin ausdrückt Reis, Mais und andere Rohstoffe als Spekulationsobjekt zu entdecken und somit die Preise ins Unermessliche zu treiben und den Hungertod hunderttausender Menschen zu besiegeln, findet seine Äquivalenz im religiösen Wahn, der die Unterwerfung (und nichts anderes bedeutet Islam) zum göttlichen Prinzip erhebt und zu verewigen droht. Wir haben also keine Gründe einem Sieg islamistischer Banden über die US-amerikanische Kriegsmaschinerie entgegenzufiebern und den US-amerikanischen und EU-europäischen Konzepten der Ordnungskriegerei die Durchsetzung der Aufklärung zu unterstellen. Unsere Job ist es eine dritte Front zu schaffen, die nicht bereit ist die marxsche Parole, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, geknechtetes (…) Wesen ist“, aufzugeben.

Wann ist ein Mann (k)ein Mann?

von AG x_y DRESDEN

Gedanken über die Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Machtverhältnissen in antisexistischen Gruppen

Antisexistische Praxis erfordert eine kritische Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Machtverhältnissen. Auch wenn sich in den letzten Jahren einiges getan haben mag – hingewiesen sei an dieser Stelle auf diverse Gleichstellungsprogramme und Kampagnen1. Und selbst innerhalb einer “Linken”2 scheint allenthalben angekommen zu sein, dass es Sexismus gibt.
Allerdings kann eine Kritik nicht an den gesellschaftlichen Verhältnissen stehen bleiben. Eine Auseinandersetzung über dieses Thema muss auch in den eigenen Zusammenhängen, die ja von den gesellschaftlichen Strukturen nicht loslösbar sind, geführt werden. Und natürlich ist auch eine Reflexion der eigenen Rolle in eben jenen Machtstrukturen notwendig.
Politischen Gruppen, gerade solchen mit einem antisexistischen Selbstverständnis, kommt dabei eine besondere Rolle zu. Dies insofern, als dass sie kontinuierlich zusammenarbeitende Zusammenhänge sind, die sich darüber hinaus darüber einig sind, dass Sexismus scheiße ist und deshalb natürlich in der Verantwortung stehen sich bewusst damit auseinanderzusetzen, inwiefern in ihnen sexistische Verhaltensweisen reproduziert werden.

Eine kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Strukturen setzt dabei theoretische Grundannahmen über den Zusammenhang zwischen Gesellschaft, Individuum, sexistischen Strukturen und der Kategorie “Geschlecht”3 voraus.

Stark vereinfacht kann mensch sagen, dass gesellschaftliche Strukturen als Aggregat des Verhaltens und der Vorstellungen aller Individuen entstehen4. Sich so ergebende Werte- und Normensysteme wirken ihrerseits auf die Individuen, hauptsächlich durch Sozialisation, und prägen darüber deren Vorstellungen über die Welt und individuelle Verhaltensweisen. Wenn also eine Gesellschaft strukturell sexistisch und patriarchal ist, werden eben jene Sexismen über Sozialisationsprozesse wiederum von den Individuen verinnerlicht.

Da diese sozialisationsbedingten Aneignungsprozesse zum großen Teil unbewusst stattfinden, werden z.B. Vorstellungen über sogenannte Geschlechter und Geschlechterrollen häufig als individuell oder biologisch determiniert wahrgenommen. Die meisten Menschen meinen „einfach zu wissen“, dass es zwei Geschlechter gibt und welchem davon sie angehören. Und wenn eine “Frau” einen Rock trägt, so liegt das einfach daran, dass sie selbst Röcke eben schick findet.
Das bedeutet aber auch, dass durch die bloße Feststellung, dass Sexismus scheiße ist, weil er hierarchische (patriarchale) Verhältnisse reproduziert, noch nicht viel gewonnen ist, sondern eine Veränderung nur durch den Versuch einer bewussten Auseinandersetzung mit dem Unbewussten und einer kritischen Reflexion all der Selbstverständlichkeiten, wie der Art und Weise sich in Räumen zu bewegen oder mit Menschen zu interagieren, möglich ist.

In der feministischen Theorie, die sich mit dieser Problematik der Produktion und Reproduktion sexistischer Strukturen beschäftigt, lassen sich im Wesentlichen 3 verschiedene Ansätze unterscheiden, die jedoch in sich keineswegs homogen sind.

Der Gleichheitsfeminismus geht davon aus, dass kein typisch männlich und typisch weiblich in dem Sinne existieren, dass aus einem, als natürlich angenommenen, “biologischen Geschlecht”5 auch geschlechtsspezifisches Verhalten ableitbar wäre. Nur unterschiedliche Sozialisation und Aufgabenteilung begründeten Verhaltensunterschiede zwischen den Geschlechtern. Diese wiederum gelte es aufzulösen. Meist jedoch wird implizit die Anpassung an ein „männliches Ideal“ (z.B. durch die Aneignung von Durchsetzungsvermögen oder Gewalt als Mittel zur Durchsetzung von Interessen) als Ziel gesetzt.
Dem gegenüber sieht der Differenzfeminismus grundsätzliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern (einige Strömungen gehen dabei auch von einer konstruierten Differenz durch unterschiedliche Sozialisation aus, die aber dennoch unauflöslich relevant ist). Ziel wird hier die Auflösung sogenannter männlicher, als hierarchisch und gewaltförmig wahrgenommener Verhaltensweisen hin zu einem „weiblichen Ideal“.
Sowohl gleichheits-, als auch differenzfeministische Ansätze nehmen dabei an, dass es zwei biologisch-natürliche Geschlechter gibt.

Der feministische Dekonstruktivismus dagegen geht davon aus, dass sowohl biologisches” als auch soziales Geschlecht Konstruktionen sind, insofern als dass sie nichts natürliches, sondern etwas durch gesellschaftliche Diskurse hervorgebrachtes sind. In diesen Diskursen wird über Sprache die Wahrnehmung der Wirklichkeit strukturiert, insofern als dass z.B. durch Begriffe und Aussagen über den Körper die Wahrnehmung des eigenen Körpers erst strukturiert und geformt wird (quasi im Gegensatz zu der Annahme, dass Sprache nur die real existente Wirklichkeit beschreibt).
Was ist aber nun an der durch Diskurse konstruierten Zweigeschlechtlichkeit zu kritisieren? Eben dass sie zwangsläufig Ausschlussmechanismen nach sich zieht, insofern als dass sie all diejenigen Körper und Identitäten ausschließt, die ihr nicht entsprechen. Deshalb wird die Kategorie Geschlecht als Klassifikationskriterium abgelehnt, die es aufzulösen gilt.

Das Spannungsfeld, welches es zu betrachten gilt, bewegt sich also zwischen theoretischer Dekonstruktion der Kategorie Geschlecht und einer antisexistischen Praxis innerhalb einer gesellschaftlichen Realität mit einer bipolaren Geschlechterstruktur.
Da wir selbst, als von gesellschaftlichen, sexistischen Strukturen geprägte Subjekte, Teil dieser Gesellschaft und damit natürlich auch ihrer Vorstellungswelt sind, würde dies aber gerade nach sich ziehen sich selbst und das eigene Umfeld bewusst als geschlechtliche Körper wahrzunehmen und damit zusammenhängende Machtstrukturen zu analysieren.

Was genau aber bedeutet dies für Gruppenzusammenhänge?
Würde nicht dann die Anwesenheit von sogenannten männlichen Gruppenmitgliedern gerade bestimmte hierarchische Strukturen innerhalb der Gruppe herstellen und möglicherweise eine Thematisierung dieser Machtverhältnisse verhindern?

Würde andererseits der Ausschluss männlich kategorisierter Personen nicht ebenfalls eine Reproduktion sexistischer Strukturen bedeuten, insofern als dass die Verantwortung für das Thema Antisexismus in nicht-männliche Bereiche verschoben würde? Reproduziert der Ausschluss aufgrund der Kategorie Geschlecht nicht wieder bipolare Strukturen?

Wäre eine Frauen-Gruppe wirklich hierarchiefreier, wie differenzfeministische Ansätze suggerieren könnten? Oder sind vielmehr bestimmte Verhaltensweisen als das angenommene Geschlecht einer Person ausschlaggebend? Sind also männliche Verhaltensweisen (im Sinne von Verhaltensweisen, die in einer patriarchalen Gesellschaftsstruktur typischerweise von der privilegierten männlichen Gruppe genutzt werden – nicht im Sinne biologischer Determiniertheit – und geeignet sind mehr Macht als andere herzustellen, zu demonstrieren oder zu sichern) nicht insofern vom Geschlecht losgelöst zu betrachten, als dass Verhaltensweisen angeeignet werden können? Wären dann nicht, um gleichheitsfeministischen Ansätzen zu folgen, wiederum alle gleich, wenn sich Frauen diese Verhaltensweisen aneignen würden? Aber würde dies wiederum nicht bedeuten von einem “männlichen Ideal” auszugehen, das in seiner Konsequenz trotzdem in einer patriarchalen Struktur verhaftet bleibt?

Schließlich bliebe auch die Frage, wann Personen eigentlich „männlich“ sind. Ist es sinnvoll, an dieser Stelle das biologische Geschlecht zu Rate zu ziehen, in der Annahme, dass aufgrund der gesellschaftlichen Sozialisation dieses weitgehend das soziale Geschlecht determiniert (mit der impliziten Annahme, dass beide Geschlechter irgendwie in sich homogene Gruppen sind), oder wäre es an dieser Stelle doch besser männliche Verhaltensweisen genauer herauszuarbeiten und anhand dieser zu entscheiden?

Verlassen wir aber an dieser Stelle den Bereich doch recht grundsätzlicher Fragen und wenden uns noch ein wenig konkreteren Verhaltensweisen zu.
Um geschlechtsspezifische Machtstrukturen zu identifizieren ist es sinnvoll sich die verschiedenen, gruppenspezifischen Bereiche, wie z.B. Rederaum, Aufgabenverteilung oder Entscheidungsstrukturen anzuschauen.
Wie sind die Redeanteile verteilt? Wer fällt wem, wie oft, aus welchen Gründen ins Wort? Wer spricht in welcher Lautstärke? Welche Mimik und Gestik wird verwendet und wann? Dominantes Redeverhalten ist in der Regel sehr raumeinnehmend, so dass Gesprächsanteile anderer Personen wesentlich geringer sind und diese somit weniger Gelegenheiten haben sich einzubringen. Dazu gehört auch das Unterbrechen bzw. Kommentieren der Redebeiträge anderer, aber auch z.B. bewusst desinteressierte oder herablassende Mimik und Gestik.
Bei der Aufgabenverteilung könnte es z.B. interessant sein, wie die Arbeitsanteile verteilt sind und wer welche Aufgaben übernimmt – wer übernimmt in welchem Maße verantwortungsvolle Aufgaben, wer öffentlichkeitswirksame?
Ebenfalls interessant ist eine Analyse der Entscheidungsstrukturen, also wie Entscheidungen getroffen werden und welche Personen daran in welchem Umfang beteiligt sind.

So oder so ähnlich könnten einige Überlegungen und Fragen aussehen, die sich bei der Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Machtstrukturen in Gruppenzusammenhängen stellen könnten.
Da die Problematik enorm vielschichtig und ungemein komplex ist, scheint es unmöglich ein Patentrezept anzubieten oder universell anwendbare Lösungsansätze zu entwickeln.
Dennoch ist es wichtig und unerlässlich, und das nicht nur für Gruppen, die speziell zum Thema Antisexismus arbeiten, sondern auch für Antifa-Gruppen bzw. all jene, die sich selbst ein „linkes“ Selbstverständnis geben (welches zumeist Antisexismus enthält), sich mit der Problematik auseinanderzusetzen, da allein die Erkenntnis, dass Sexismus abgeschafft gehört, nicht dazu führt, dass er auch aus unserer Sozialisation verschwindet und unsere Gruppenzusammenhänge frei von geschlechtsspezifischen Machtstrukturen werden.